Drei Reiseschreibmaschinen

„WARUM MUSST DU EIGENTLICH BEI ALLEM, WAS DU TUST, IMMER SO ÜBERTREIBEN!?? KANST DU NICHT EINMAL, EIN EINZIGES MAL NUR, WIE EIN GANZ NORMALER MANN SEIN??“

Nun ja.. Über ein Mal ließe sich reden.

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Mein Schwager, ein passionierter Langstreckenläufer und Radfahrer, möchte im nächsten Leben als Zugvogel auf die Erde kommen, weil die sich immer schön im selben Rhythmus bewegen, wie er sagt. Ich hingegen frage mich, ob ich überhaupt fliegen würde, wäre ich im nächsten Leben ein Vogel, oder ob es mir nicht ausreichen würde, im Federkleid hoch oben über den Dachfirst zu promenieren und die Hand zu heben, Gott zum Gruße.

*

Dass Frauen älter werden, davon hatte ich gehört. Dass Frauen an meiner Seite älter werden, davon war nie die Rede. Und dann kehrt sie eines Tages vom Besuch bei ihrer Frauenärztin mit einem Hormonpflaster heim. Eine ganze Schachtel, samt Beipackzettel. Sie liest mir daraus vor. Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll, und lasse es mir übersetzen.

„Hormone sind Popcorn für die Gebärmutter“, erklärt sie aufgekratzt.

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In Zukunft geht es doch nur noch um eines: Bleibt man Mensch, oder wird man Maschine.

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„In Zukunft wird sich die Menschheit aufteilen. Da sind die einen, die auf der Erde bleiben wollen, um unsere Schöpfung zu bewahren. Und die anderen schippern ins Universum, besiedeln einen Planeten und fangen noch mal bei Null an. In Zukunft muss sich jeder Mensch entscheiden, zu welcher Gruppe er gehören will. Ich will zu den Sternen“, sagt sie.

„Ich bleib hier“, sag ich.

*

Der Mensch hat keine wirkliche Vorstellung davon, wie Aliens aussehen könnten, da ist er ärgerlicherweise auf das ihm bekannte Repertoire beschränkt. Eine Vorstellung außerhalb seines Erfahrungsschatzes ist schlicht nicht möglich.

Allein die Vorstellung, dass sich unser Universum mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet, übersteigt unser kleines Gehirn. Und ausbreiten wohin? In einen Raum, der zuvor nicht existiert hat? Wie meinen? Das wäre ja so, als würde ich mit jedem Schritt, den ich setze, die Straße erst bauen, auf der ich gehe. Geht doch gar nicht. Und selbst, wenn es ginge – was wäre, wenn ich rückwärts gehe? Rollt die Welt sich dann wieder ein, wie ein kalter nutzloser Schlafsack?

„Drei Reiseschreibmaschinen zu verschenken“, liest die Gräfin aus der Zeitung vor, und blättert weiter.

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2 Gedanken zu „Drei Reiseschreibmaschinen

  1. Klasse Gedankenfutter. Das mit der Ausdehnung des Universums habe ich so schon ganz ganz ähnlich gedacht. Vor allem das mit dem Rückwärtsrollen und so mag ich.

  2. kleiner tip von mir
    bevor man sich auf die reise macht sollte man sich
    erstmal
    ordentlichts auskacken
    und eventuell eine dose Spinat
    und eine reisemaschine wenigstens an bord haben
    für die ALIENS.

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