Danke, Dasein, danke

Sie war noch ein Kind, als sie das erste Mal Paternoster fuhr, im Finanzamt zu Düsseldorf, hoch in den 8. Stock. Beim Runterfahren versuchte sie dann im Handstand auszusteigen.

Damit die ganze Angelegenheit noch irgendwie Sinn machte.

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„Weißt du, wie Nachrichten klingen in einer Welt, in der ich gerne lebe? Sie hat es schon wieder getan! Erste Bürgermeisterin rettet Entenküken!“

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„Weißt du, was mich fertigmacht? Dieser ganze Fabrikzucker, davon werde ich blind, dieser Industriezucker macht mich zum Hulk, zum verdammten Zucker-Hulk!“

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Es gibt Tage, da beschleicht mich zunehmend ein ungutes Gefühl. Besonders, wenn ich Montagmorgen das Haus verlasse, um Dinge zu erledigen, die keinen Aufschub dulden, obwohl es windig ist und schwer regnet.

Was machst du eigentlich noch hier in diesem verregneten Kaff, in dieser verregneten kalten kleinen grauen Stadt in der rheinisch-bergischen Provinz? denke ich, wenn ich am Graf Wilhelm-Platz auf den Bus warte. Warum lebe ich nicht in dieser verregneten großen kalten grauen Stadt im Umland von Brandenburg, die keiner so schnell vergisst, der sie jemals betreten hat.

Um nicht nass zu werden und mich zu erkälten, suche ich Schutz unter dem Vordach der Drogerie und beobachte, wie eine Handvoll Gerüstbauer dem ersten Job der Woche nachgeht. Man baut direkt vor meiner Nase ein Gerüst ab und scherzt mit dem Busfahrer, der aus der Kanzel seines großen Gelenkbusses lehnt und sich eine schnelle Pausenzigarette gönnt.

„Ihr Jungs könnt Feierabend machen!“ ruft er vergnügt. „Anordnung von ganz oben!!“

Die Gerüstbauer, gekleidet in Warnwesten und schwarzen Arbeitshosen, transportieren Metallstangen von hier nach da und bleiben cool.

„Das musst du aber erst mit dem großen Meister klären.“

„Der große Meister? Wie..? Ist der auch hier? Wieso sehe ich den nicht? “

„Na sicher ist der hier. Der sitzt hinten im Laster und kloppt sich einen.“

„Oha. Dabei möchte ich ihn aber nur ungern stören. Also, Jungs, wie gesagt, Feierabend!“

(07.58 Uhr, Graf Wilhelm Platz, vor großem Publikum)

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Nun sind ja Geburt und Tod die rigorosesten Dinge, die uns das Dasein zu bieten hat. Und was sagen wir da? Danke sehr, sagen wir da artig. Danke sehr, liebes Dasein, danke.

Danke.

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„Bee Gees..? Moment.. Waren das nicht die drei komischen Gebissmänner? Diese Falsettfritzchen? Ich verwechsle die immer mit den Beach Boys.. Die Beach Boys waren doch Brian Wilson, oder..?!“

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„Wenn ich nochmal jung wäre, ich meine so richtig jung, ich glaub, ich würde Surfen lernen und beim Tanzen auf der Monsterwelle jedes Mal die Erkennungsmelodie von Hawaii Fünf Null pfeifen.“

  • Die Gräfin

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„Wenn mein Charakter nur halb so gut wäre, wie mein Kopf es sich ausdenkt, ich wäre schon sehr zufrieden.“

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„Aufwachen am Morgen und noch am leben sein, immer noch am leben..!! Welch ein Privileg! Und womöglich scheint noch die Sonne, und du hast auf einem Bleistift geschlafen, ohne es zu merken!“

„Ja. Was will man mehr.“

„Ja genau! Konsequente Weltklasse!“

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„Wenn du in Gesellschaft nicht funktionierst, erntest du nur ratlose Gesichter.“

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Es gibt Worte, die sind abgenutzt bis auf die Felge. Man kann sie kaum noch benutzen, obwohl sie in diesem Moment und in diesem Satzzusammenhang haargenau reinpassen, aber nein, es geht nicht. Sie sind runtergelutscht wie ein Freier. Erschütternd. Ist so ein Wort.

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Blogs sind die beste Erfindung seit Hebammen und Griesel in der Schneekugel.

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Dass stets alles seinen Gang nimmt, mit dem Ziel, effektiver und gewinnträchtiger zu sein als am Tag zuvor, halte ich für DAS Gerücht der Gegenwart.

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„Weißt du, was der Schliff des Lebens ist? Die Zeit. Am Ende sind wir alle ganz fein.“

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Die Säerin, Susanne Eggert

6 Gedanken zu „Danke, Dasein, danke

  1. Gigantische Agenda, dieses Leben – / Das so ganz anders kam und dann doch so. / Wir sehen uns, wenn wir die Augen schließen, / In einem Fahrstuhl, der die Jahre wie Etagen zählt. / Oft steigt einer mittendrin aus, läuft auf sich zu / Den Flur hinab, sein eigener Doppelgänger. / Die Hälfte ist Stolpern, an falsche Türen Klopfen, / Weil von außen ein Herz aufgemalt ist. Und dann – / Dies Niedersinken vor Müdigkeit, das so gut tut.
    (Durs Grünbein, Aus einem Buch der Schwächen)

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