Die andere Seite

„Als ich zum ersten Mal das Ding eines Mannes sah, hab ich einen Riesenschreck gekriegt. Ich dachte, das wäre ein Organ, das sich verlaufen hat.“

  • Die Gräfin

*

Sie kann sich mächtig über Männer aufregen. So findet sie es schlichtweg zum Kotzen, dass eine Frau, die spät abends allein unterwegs ist und plötzlich Schritte hinter sich hört, solche Ängste ausstehen muss.  Ängste, die einer Frau von klein auf eingeimpft werden. Im Gegensatz zu einem Mann, der sich ganz selbstverständlich in der Stadt bewegt, selbst mitten in der Nacht.

„Ich meine, warum wechselt der Blödmann nicht einfach die Straßenseite, damit ich keine Angst vor ihm haben muss?! Der merkt doch, dass ich Angst vor ihm hab! Ist doch keine große Sache, mal eben die Straßenseite zu wechseln, und es wäre eine wichtige, eine faire Geste zwischen Frau und Mann. Ein Signal..“

„Nun ja.. kann sein. Aber du glaubst doch nicht im Ernst, dass die meisten Typen so denken, wenn sie nachts unterwegs sind, oder?“

„Du aber schon“, sagt sie und schaut mich an. „Du denkst doch an so was, oder nicht?“ Sie forscht nach Anzeichen in meinem Gesicht, ob ich die Wahrheit vorbereite. Oder ob ich nach links oben schaue, Anzeichen für: Lüge! Stress! Ausrede! (Andere Wissenschaftler sagen: Genau andersrum! Wer nach rechts oben blickt, der lügt!)

Tatsächlich habe ich mal nachts einen Umweg eingeschlagen, als eine Frau sich nervös nach mir umdrehte, weil ich auf meinen neuen Stiefeln, die Sohlen mit Nägeln fixiert, über den Asphalt schlirrte, wie ein Cowboy. Es gefiel mir nicht, dass sie sich verfolgt fühlte.

„Daran würde ich aber nicht immer denken, zum Beispiel wenn ich besoffen aus der Kneipe komme und nach Hause will..“

„Na, dann hat auch keine Frau Angst vor dir, wenn du besoffen aus der Kneipe kommst. Dann hat man höchstens Angst, dass man dir hochhelfen muss, falls du dich aufs Maul legst. Das ist aber auch alles.“

Frauen können so verflucht mitleidlos sein.

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4 Gedanken zu „Die andere Seite

  1. Omachen fragt sich nun, warum es so ist, dass in REHA-Häusern die verunfallten Männer immer in Begleitung von Frauen sind, es andersherum aber kaum so ist…
    Gehört nicht zur Sache, oder vielleicht doch, siehe letzter Blogartikelsatz, ha!

  2. Ich, dass es sie gibt, aber für mich bleibt sie noch unsichtbar – die pferdescheue Geliebte, gezeichnet von der Gräfin. Ich kann den Link bisher nicht öffnen. Woran liegt’s?
    Gruß Uwe

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