Das ist ja alles Blödsinn

Das Internet ist ein riesiger Freiraum, ein Luxusgut für jedermann, durch und durch großartig. Und was machen die Rechtsextremen daraus? Einen engen Kabuff, in dem es nach Neid und Rotze stinkt.

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Alles, was irdisch ist, alles, was auf unserer alten Erde wächst und gedeiht und geschieht, ganz gleich, was es ist und woher es rührt und welche Geschichte dahintersteckt, es ist alles Natur, ganz und gar und ohne Ausnahme. Auch die Unterscheidung zwischen Urwald und von Menschenhand kultiviertem Wald führt in die Irre. Als wären Menschen und das, was sie mit ihren Händen und Gehirnen anstellen, keine Natur, als stünden sie außerhalb der Schöpfung. Was seinen Wert für die Umwelt betrifft, mag es einen Unterschied ausmachen, ob ein Wald aus sich alleine heraus geboren ist oder ob er angepflanzt, ja gezüchtet wurde, doch im Ergebnis wächst ein Wald aus der Erde, ist also Natur, und die Natur macht daraus das beste, was möglich ist. Alles, was Menschen bauen, denken, erfinden ist Natur, weil der Mensch selbst auch Natur ist, genauso wie alles Natur ist, was Tiere und Pflanzen tun. Selbst ein von Menschenhand geschaffenes Glas- und Stahlmonster wie New York ist Natur, nichts anderes. Plastiktüten vom Supermarkt, Kernkraftwerke, Lourdes – alles Natur, von uns gemacht, für die Erde, auf der Erde gemacht. Wir stecken alle unter einer Decke. Es ist ein einziges großes und wunderbar schlimmes Naturschauspiel, das sich da vor unseren Augen entfaltet, ihr ollen Buckelzirpen. Nehmt es hin, und geht schlafen. Ruht euch aus.

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Nur die wenigsten Nachrichten schaffen es überhaupt bis in den Bereich, der einen berührt. Das meiste rauscht an einem vorüber, bleibt fremd, für mich persönlich uninteressant, wie Fred Fussbroich (WDR) einst so treffend formulierte. Vor einiger Zeit aber geisterte eine seltsame kleine Meldung durch die Presse, die es irgendwie in meinen Aufmerksamkeitsbereich schaffte. In Teilen der USA und in Schweden (!) waren Tausende von Vögeln vom Himmel gefallen, lagen tot in den Strassen. Ein beinah biblisches Bild, eine Ur-Vision vom nahenden Ende. Selbst Ornithologen waren ratlos, konnten nicht erklären, was in die Tiere gefahren war. Stress? Unbekannte Viren?

Ein dreiviertel Jahr später las ich zufällig von einem Wildlife Center in Wisconsin, USA, das sich auf die Aufklärung rätselhafter Todesursachen unter Wildtieren spezialisiert hat. Die Pathologen sezierten auch den Tod der amerikanischen Singvögel. Dabei stellte sich heraus, dass alle untersuchten Stärlinge zunächst gegen Türen und Hauswände geprallt waren, bevor sie den rätselhaften Tod fanden. Und dass man alle etwa zur gleichen Zeit aufgefunden hatte, nämlich rund um Neujahr. Die nachtblinden Tiere, so schlussfolgerte man, waren von Silvesterböllern aufgeschreckt worden und in Panik durch die Dunkelheit geflohen und gegen Häuser geknallt. Eigentlich naheliegend oder nicht. Ich meine, hätte man sich das nicht vorher schon irgendwie zusammenreimen können? Das war ja fast ein Schnäppchen unter den logischen Schlussfolgerungen. Vögel, die nach Silvester tot auf der Strasse liegen. Also, ich weiß auch nicht. Alter Schwede. Was ist los. Ist das überhaupt noch alles wahr. Oder ist das getrumpt?

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Vorsicht, Freunde. Hinter jedem richtig gewählten Zeitpunkt lauern mindestens sechzig falsche auf der Bank, die nur darauf brennen, endlich zum Einsatz zu kommen.

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Als die Regionalbahn einfährt, riecht es nach warmen Eisen und ich erdrängel mir einen Sitzplatz. Im Großraumabteil, mir gegenüber, lässt sich ein älteres Ehepaar nieder. Während sie sich angeregt mit ihrem Gatten unterhält, fasst er sich mehrfach unbeholfen über die Schulter, als suche er etwas hinter sich. Plötzlich hält er inne, mitten in der Bewegung, und tippt sich auf die Stirn. „Jetzt will ich mich sogar schon im Zug anschnallen.“ Seine Frau quasselt ungerührt weiter. Er glotzt mich an, wie ein alter Opel Vectra grau-metallic.

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„Um nochmal von vorn anzufangen, brauchen wir unbedingt einen neuen Urknall“, schlussfolgert sie. „Dann starten wir noch mal durch.“

Ich stehe am Fenster. Es ist laut da draußen.

„Hm..? Ein Neun Uhr-Knall? Was ist das denn?“

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Währenddessen im Notizbuch

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Da verbringt man sein ganzes Leben damit, der Mensch zu werden, der man sein möchte, nur um am Ende festzustellen, ich wäre doch lieber so, wie ich am Anfang war.

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Ich mag es, den Sachen nahe zu kommen, ihnen so richtig auf den Pelz zu rücken, denn je näher man den Sachen kommt, desto eher verschwinden sie auch wieder.

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Das ist ja auch nicht ungefährlich, die Arbeit am Marihuanastrauch. Ein Freund von mir ist mal im Sommer mit nacktem Oberkörper in die reifen Fruchtstände gefallen, das sah nicht gut aus. Das war schlimmer als Feuer. Das war eine schwere allergische Reaktion. Sein Bauch brannte, der Rücken, die Arme, er leuchtete am ganzen Oberkörper wie ein Hummer. Er wäre fast verrückt geworden, konnte aber schlecht zum Hautarzt gehen, tu mal ne Salbe rüber gegen Marihuanablütenverbrennung. Gibt’s ja nicht. Denk ich mal.

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Mit meinem alten Kumpel Karlos pflegte ich rituell Haschisch-Tee zu trinken. Das waren ganz besondere Erlebnisse, weil die langanhaltende Wirkung eines guten Tees mit dem Abbrennen eines normalen Joints wenig gemein hat. Es ist eher eine Art Trip. Einmal sind wir zufällig in Remscheid in einer Sporthalle gelandet, am Stadtrand, voll auf Tee, es war früher Nachmittag, roter Libanese, ich schätze so 1985 rum. Das Rollhockey-Bundesliga-Team hatte gerade Training. Wir nahmen auf der leeren Tribüne Platz und verloren uns im Sound des Spielballs. Die kleine harte Pille sauste durch die Halle wie ein Sektkorken und klackerte uns in einer Lautstärke um die Ohren, dass wir in unserem Rausch glaubten, die wollten uns kaputtklackern. Wir waren relativ flott wieder draußen, mit Nachhallminimierung beschäfigt.

15 Gedanken zu „Das ist ja alles Blödsinn

  1. hier fallen seit gut zwei Wochen so runde Igel vom Baum wie fast jedes Jahr um diese Zeit ,doch dieses mal sehr viel mehr glaub ich
    ich höre es wenn die Reifen drüberknattern und später die Gemeinde sich trifft beim Dinner de la Rue
    besonders süss sind die kleinen Eichhörnchen die ihren ersten Winter in der Natur verbringen
    gefolgt von Raben und Krähen
    die sieht man denn erst im nächsten Jahr wieder
    wenn die ersten Pieptöne den Morgen versüssen…
    (kleine harte Pille )!

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  2. Nun wirfst Du aber alles in einen Topf, „Natur bezeichnet als Leitkategorie der westlichen Welt im Allgemeinen das, was nicht vom Menschen geschaffen wurde, im Gegensatz zur (vom Menschen geschaffenen) Kultur; so bezeichnet man beispielsweise mit dem Begriff Kulturlandschaft eine vom Menschen dauerhaft geprägte Landschaft.“ (Wikipedia) So sehe ich das eigentlich auch, also nicht die Natur ist chaotisch und durcheinander, sondern unsere „Kultur“.

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  3. „Das Internet ist ein riesiger Freiraum, ein Luxusgut für jedermann, durch und durch großartig. Und was machen die Rechten daraus? Einen engen Kabuff, in dem es nach Neid und Rotze stinkt.“
    „Die Rechten“ machen das? Sind nicht eher „die Rechtsextremen“ gemeint, wie viele oder wenige das auch sein mögen? So oft verwendet, dieses Synonym, dass sich heute schon fast gar nichts anderes mehr denken lässt: „rechts“ = Nazi = indiskutabel. Aber wer so pauschalisiert, schneidet dem denkbaren politischen Meinungsspektrum einfach so die eine Hälfte mit all ihren Schattierungen ab. Deren Kreativität und Erfahrung wäre zur Lösung unserer enormen Probleme als Land dringend nötig, als Ausgleich und Ergänzung zu „links“. Und nur mit dieser rechten Hälfte, ohne ihr extremes Ende, gibt es gesellschaftliche Lösungen statt Ausgrenzung und Radikalisierung. Der olle Kanzler Kohl saß „rechts“ im Bundestag. Als Nazi oder rechtsradikal hätte ihn keiner zu diffamieren gewagt. Und selbst die unsägliche Merkel sitzt im Bundestag, wenn auch unter völlig falschem Etikett, rechts der Mitte.
    (Ganz nebenbei: Ich habe im Internet von „links“ = linksextrem schon mehr als reichlich Dinge gelesen, da erscheint ein Kabuff geradezu als gut gelüfteter Tanzsaal dagegen.)
    Du blickst doch auch sonst nicht so einäugig aufs Leben.

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  4. war schon immer eine Kunst zwischen den Zeilen alles zu verwechseln
    vor allem nach vier Jahren Knast.
    Wein trinken und Wasser predigen
    oder wie heisst das noch gleich….

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