In einer kalten kleinen grauen Stadt

Eine Weile glaubte ich schon, ich wäre über den Berg, ich hätte es hinter mir. Zwar hatten Medikamente nichts genutzt, und auch das Autogene Training, in das mich ein Verhaltenspsychologe eingewiesen hatte, war nur bedingt hilfreich gewesen, aber vielleicht hatte einfach die Zeit für mich gearbeitet. Mir ging es jedenfalls besser.

Man sah es an meinem Schriftbild.

Weil ich mir oft unsicher war, ob ich die Herzmedikamente am Morgen schon eingenommen hatte oder nicht, war ich dazu übergegangen, unmittelbar nach Einnahme der Arznei das Datum des jeweiligen Tages in eine Liste einzutragen. Das war zwar umständlich, hatte sich aber als sicherste Methode erwiesen, einen Blutdrucksenker nicht versehentlich doppelt einzuwerfen und wegzupennen. Und während die untereinander eingetragenen Daten während einer depressiven Episode oft fahrig und schwach aussahen, war es im letzten halben Jahr deutlich besser geworden. Die Zahlen strahlten Kraft und Bewusstsein aus, ja, Linientreue. Dann kam das Virus. Das Neue Testament. Corona. Und mit Corona das Szenario einer umfassenden Bedrohung. Jederzeit konnte man aus dem Hinterhalt getroffen werden, man war ständig Zielscheibe von bösen Tröpfchen. Um das zu verhindern, atmeten Menschen in aller Welt von einem Tag auf den anderen durch Tücher, Masken und Maschinen. Wem sein Leben lieb war, der verließ kaum mehr das Haus, und wenn doch, dann mit schlechtem Gewissen. Bookcrossing-Bücher, in Plastikfolie verschweißt und am Zaun ausgehängt, um neue Leser zu finden, wurden über Wochen nicht angefasst, aus Angst sich zu infizieren. Und auch in mir, langsam zunächst, fast zögerlich, ging es wieder los.

Der Berg schüttete sich wieder auf.

*

Es sind mehr als vier Jahre ins Land gezogen, seit ich zum ersten Mal eine Depression durchmachte. Was ich bis dahin für eine Depression hielt, entpuppte sich im Nachhinein als mittelfristiges Miesdraufsein, als Wochenendmisere. Doch eine Depression war eine andere Liga. War wie Liebeskummer, nur eine Million mal stärker, wie es jemand, den ich gut kenne, mal formuliert hatte. Erst als es mir selber schlecht ging, verstand ich „eine Million mal stärker als Liebeskummer“. Es stand für die Tiefe und Ungeheuerlichkeit, mit der man von Depressionen in die Zange genommen wird. Für die Unabdingbarkeit, und für die Erinnerung an bessere Tage.

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Für jeden Depressiven bedeutet eine Depression etwas anderes. Was für Außenstehende nach Lethargie klingen mag, ist oft mit übersteigerter Aktivität verbunden. Das, was ich Depression nenne, ist eine tollwütige innere Unruhe, eine Hast, die jede bewusste Verbindung zum Ich kappt, zur Umwelt. Man kommt an nichts richtig heran, es ist, als liefe man mit lauter losen Kabelenden durchs Leben. Und zuletzt kommt der Punkt, den ich am meisten fürchte. Die Erstarrung.

Mein Verschwinden.

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Schon beim Wachwerden spüre ich die erste Welle heranschwappen, mit nassen Händen. Eine Welle, die sich nicht stoppen lässt, da sie bereits im Schlaf Fahrt aufgenommen hat. Noch im Schlaf wurden erste Impulse gestreut. Keine Chance, sich beim Aufwachen der Welle entgegen zu stemmen, sie rollt in mir. Und es dauert keine Minute und die Nachfolger schlagen in mir zusammen, und ich taumele aus dem Bett. Bis in die letzten Nervenenden erregt, weil sich ein weiterer Desaster-Tag ankündigt. Nowhere to run, nowhere to hide.

Schon Wochen vor dem ersten Nervenzusammenbruch schlief ich schlecht. Sanne meinte im Nachhinein, ich hätte nachts nur noch geschnaubt, im Zimmer nebenan. „So komische Stressgeräusche.“ Von da an ging nichts mehr. „Wenn andere Leute zu 70 % aus Wasser bestehen, bestehst du zu 70 % aus Angst.“

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Ich wurde früh um vier wach und lief in den vier Wänden auf und ab wie in Gefangenschaft. Ich war auf einem Abstiegsplatz Richtung Irrsinn, ich war das Schlusslicht, ich hatte die rote Laterne. Wie oft hatte ich die Finger am Telefon, um einen Rettungswagen zu rufen, weil ich der Masse an schlechten Gefühlen nicht mehr Herr wurde, während ich im Zimmer auf- und abschritt. Ich war ein mit minderwertiger Medizin gedopter Athlet, der sein letzes Ziel verfolgte: den eigenen Niedergang. Das war krank. Das war neu. Das kannte ich nicht, nicht in diesen Dimensionen. Es war die Angst vor mir selbst, die Angst vor dem, wozu ich fähig war, ganz ohne es zu wollen.

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3. Dezember 2015

Nach der Lesung in Ohligs, der ersten in meiner Heimat seit mehr als 30 Jahren, dauerte es fast eine Woche, bis ich wieder Boden unter den Füßen hatte, so sehr schwebte und schlafwandelte ich durch die Tage. Dabei war doch gar nichts passiert. Ich hatte lediglich eine Lesung hinter mich gebracht.

Es ist schon schwierig, in einer fremden Stadt zu lesen, (wo man nach der Zugabe noch rasch die Groupies abräumen muss, die Genitiv und Genital erst verwechseln und dann total süß finden), doch in der Stadt zu lesen, in der man lebt, ja, in der man aufgewachsen und geblieben ist, vor Leuten, über die man schreibt und die alle diesen „Den kenne ich noch von früher“-Blick draufhaben, „als er ein anderer war“, das ist die Höchststrafe.

(In der Fremde kennen einen Leser wenigstens nur aus den Geschichten, die man schreibt. Man kann den größten Mist verzapfen, ohne dass es sich auf die Schnelle nachprüfen lässt.)

Vor Publikum lesen ist insgesamt Mist für jemanden, der nicht gern im Mittelpunkt steht. Natürlich gibt es Abende, wo zufällig alles stimmt. Wo man die richtigen Geschichten mitbringt, wo das Publikum aufmerksam ist und an den Stellen lacht, die dafür vorgesehen sind. Wo man insgesamt belohnt wird für die 5 schlimmen Scheißlesungen zuvor. Doch das ändert nichts am Lampenfieber. Schon im Physik-Kurs schätzte ich ab, wann ich ungefähr an der Reihe sein würde, um nach vorn an die Tafel zu kommen und die Aufgabe zu lösen, also setzte ich mich frühzeitig ab – aufs WC. In die große Pause. In die kleine Pause. Zum Kiosk, den Familie Hähnlein führte. Nach Hause. Weg hier, bloß weg von der Tafel. Der Bühne.

„Weißt du, wann du am besten bist? Wenn du weit, ganz weit von hinten kommst und niemand mehr mit dir rechnet – das ist deine ganz persönliche Pole Position“, so Sanne.

Kann schon sein. Doch diese Art Pole Position erfordert langjährige Vorbereitung im Verborgenen. Da muss man schon aufpassen, dass man unterwegs nicht vergessen wird.

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Es ist ein verdammtes Gewusel da draußen, ein ständiges Hecheln nach Bestätigung und Anerkennung, und ich bin auch dabei. Ich laufe mit im Pulk. Ich will angehört werden. Warum eigentlich. Nur weil ich zufälligerweise gern einen Stift in der Hand halte? Nein, sondern weil ich erst in dem Moment, wo ich zu schreiben beginne, feststelle, ob ich was zu sagen habe.

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Es gibt keinen Menschen, mit dem ich lieber zusammen bin, als mit ihr. Wir sind seit über 30 Jahren ein Paar, wenn auch kein herkömmliches, niemand kennt mich so gut wie sie. Was sie sagt, ist Gesetz. Sie ist die Botin. Manchmal geht sie durch die Wohnung und ich schaue ihr hinterher, mit diesem Gefühl der Rührung, das Menschen erfasst, die sich lange kennen und mögen. Menschen, die über lange Zeit gut miteinander können, haben etwas rührendes, Zerfall hat etwas rührendes, Sätze haben etwas rührendes. Wir sind die Gerührten unter den Geschüttelten.

Hoffe, sie bleibt noch etwas.

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Ich bin kein Mann für die Bühne. Es mag Abende geben, wo ausnahmsweise alles passt, Text, Publikum, Witterung, doch in den allermeisten Fällen laufe ich erst zu annehmbarer Form auf, wenn die Lesung vorbei ist und ich zieh Leine. Und das macht irgendwie keinen Sinn. Für keinen Beteiligten.

So war das also, im Dezember 2015: Die Erleichterung, eine nicht einmal 45minütige Lesung hinter mich gebracht zu haben, trug mich wie auf Wolken durch die folgenden Tage. Es war völlig übertrieben. Kennt ihr das Gefühl, tagelang dermaßen gut drauf zu sein, dass man sich irgendwann selbst zur Räson rufen muss: He, Mann, was ist los mit dir!? Du hast bloß eine beschissene kleine Lesung hinter dich gebracht, keine große Sache und ganz gewiss kein Grund für irgendwelche Allüren, also, komm endlich wieder runter. Es gibt keinen Anlass für Euphorie.

Nach einer Woche dann erste Misstöne. Was sich nun genau in mein Denken und Fühlen einschlich, keine Ahnung, vielleicht lag es an dem kurzen Video-Mitschnitt der Lesung, den ein Cousin von mir auf YouTube gestellt hatte und der mich so entsetzte. Als ich es mir ansah, erschrak ich regelrecht. Das sollte ich sein..? Dieses verkniffene Opagesicht?! Ein alter Mann mit gehemmtem Mund? Es wirkte, als hätte ich eine Zahnlücke im Unterkiefer, was nicht stimmte, zwischen zwei Zähnen war der Abstand im Laufe der Zeit größer geworden. Wie auch immer: So sah es also mittlerweile aus, was andere Leute zu Gesicht bekamen, wenn ich vorn auf der Bühne saß und Geschichten vorlas. Was mir da auf Video begegnete, war ein Mann Mitte 50, der sich mit zu viel Methadon ruhiggestellt hatte, damit die Nerven halten, und genau das war es auch, was man ihm ansah. Ich sah aus wie jemand in der Midlifecrisis, der an seinen missmutigen Mundwinkeln litt, ich war ein missmutiger alter Knabe, der sich früh am Morgen einbläute: Das Leben ist scheiße. Ja, natürlich, ich hatte einen schlechten Tag erwischt, schon klar, nicht jede Lesung verlief so lahm und gehemmt wie diese, es gab auch bessere Abende, ja sicher, ich weiß, ich weiß, ICH WEISS. Doch der Punkt ist ein anderer.

Der Mann, der mich in dem kurzen YouTube-Einspieler aus dem Ohligser Cow Club anblickte, gefiel mir nicht.

*

Es ist jedes Mal das gleiche. Vier, fünf Tage vor der Lesung geht der Stress los. Was soll ich lesen, denke ich, ich hab überhaupt nichts zum Vorlesen. Ich bin wie eine Frau, die hundert Paar Schuhe besitzt, aber Samstagabend steht sie ratlos vorm begehbaren Schuhschrank und sieht überall nur billige Gummistiefel und Schläppchen mit Hundekacke drunter.

“Ich hab überhaupt keine Schuhe zum Anziehen!“

Ich einige mich schließlich auf zwei, drei Texte, die immer gehen, die ich aber noch nie live gelesen habe, weil jedes Mal, wenn eine Lesung stattfand, andere Texte wichtiger waren. Oder leichter zu lesen. Immerhin. Es gibt eine feste Größe bei der Zusammenstellung von Texten für eine Lesung: Die neueste Story muss dabei sein. Die neueste Story ist grundsätzlich die beste. Überhaupt fragt man sich ja, warum einem diese Perle erst jetzt aus den Fingern geraschelt ist, warum man so lange dafür gebraucht hat. Ich sehe Jubelstürme vor mir, Fangesänge. Ich könnte Schals in meinen Farben verkaufen, so großartig ist die Stimmung. In meinem Kopf.

Die Wirklichkeit ist stiller. Sogar ein bisschen grau.

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Ich habe mir unverschämt viel Zeit gelassen mit meiner Entwicklung, ich tue es heute noch. Ich bin ein Reptil. Ein Überlebender aus den 70erjahren. Den 80ern. Den 90ern. Den Nullern und den neuen Zehnern. Doch Obacht. Man muss aufpassen, dass man das ganze nicht irgendwann bloß zu Ende bringen möchte, nur weil man glaubt, nun ist es soweit. Das wäre sträflich und der Sache nicht dienlich. Was du auch fühlst und denkst und wie du es auch drehst und wendest, am besten man macht da weiter, wo.

Bleibt grau, bleibt sonnig.

*

Sanne stand in der Küche und briet Spiegeleier.

„Hast du schon mal geschrieben: Die Eier schmatzen in der Bratpfanne?“

„Nein.“

„Ich auch nicht. Ich meine, ich habe es sogar noch nie gedacht in meinem Kopf. Da steh ich hundert Mal in der Küche am Herd und mache Spiegeleier und beim hundertersten Mal weiß ich plötzlich, wie es klingt.“

So verläuft unser Leben. Was straightere Leute längst als Scheitern betrachten würden, nämlich mit Mitte, Ende 50 immer noch herumzudümpeln im großen Pool der Kreativen Vögel, ist für uns lediglich eine weitere Zwischenstation auf dem Weg zum 101. Mal.

Soweit die Prognose.

*

16. 12. 2015

Ich hab Angstattacken hinter mir, wie ich sie nie gekannt habe. Ich wache in der Nacht auf, mit pochendem Herzen. Ich wandere im Zimmer auf und ab, wie ein Gefangener im Hochsicherheitstrakt. Ich zieh mir die Boots an und lauf stundenlang in der Finsternis der Trasse entlang, allein, ohne Hund, weil ich keine Verantwortung mehr übernehmen kann für ein anderes Lebewesen. Das schlimmste aber ist das Auf- und Ablaufen daheim. Dieses Gehetztsein. Es ist, als wären in unserer Wohnung, in der wir seit 30 Jahren leben, plötzlich Giftstoffe ausgetreten, die mein vegetatives Nervensystem attackieren und ausfransen lassen.

Dann ein Notarzteinsatz. Ein roter Rettungswagen. Einer aus dem Fuhrpark der Herzinfarktlimousinen. Städtisches Klinikum, Ambulanz. EKG und Blutbild deuten daraufhin, dass ich hohen Blutdruck habe.

„Bisschen viel Wasser im System“, erklärt der freundliche junge Doktor, „aber kein Anzeichen für einen wiederholten Infarkt oder ähnliches..“

Selbst die Lunge wird geröntgt – ohne Befund. Auch wenn ich seit vier Jahren keine einzige Kippe mehr angefasst habe, es bleiben immer noch die vielen Jahre zuvor, die ich Kippen angefasst und weggeraucht habe. Die kriegt man nicht weg. Die bleiben im Blut. Die kokeln weiter. Die hat man sich einmal ins Blut geholt, da bleiben sie auch. Ich bleibe ein Haus voller ex-Zigaretten, ex-Heroin, ex-Alkohol. Ein ex ein ex ein ex.

Kreislaufdepression, schreibt er auf.

„Sie bekommen noch einen Notfallschein von mir.“

*

Es geschah im Gesundheitsamt. Ich hatte einen Termin. Das Job-Center suchte Klärung, wie es um mich bestellt war. Welche Arbeit mir man noch aufhalsen konnte, nach dem Herzinfarkt vom 10. Mai 2012.

Dass ich immer noch arbeitslos gemeldet bin, kommt mir merkwürdig vor. Ich sitze jeden Tag am Schreibtisch und gehe einer Arbeit nach, die nicht entlohnt wird. Bin ich arbeitslos? Ich will jedes Mal lauthals protestieren, wenn ein Schreiben des Job-Centers eintrudelt oder wenn ich vor Ort bei meiner Sachbearbeiterin sitze und es fällt das Wort arbeitslos im Zusammenhang mit mir. Ich arbeite. Ohne Geld zu verdienen. Aber woher kommt das Geld.

*

Der Termin ist früh am Morgen, 8.00. Der erste Termin des Tages, der vergeben wurde.

Nun sollte ich mittlerweile über so viel Erfahrung im Umgang mit mir selbst verfügen und wissen, dass ich so früh am Tag nicht gut drauf bin, dass mein Kreislaufsystem noch nicht richtig funktioniert. Ich sollte es also ruhig angehen lassen. Tue ich aber nicht. Stattdessen stürze ich zu Hause einen 3fachen Espresso runter, ohne etwas zu essen, schmeiße meine Herzpillen ein, mein Methadon. In meiner Erregung muss ich gleich zweimal scheißen und ertrage es im Anschluss kaum, noch kurz mit dem Hund rauszugehen. Muss aber sein, da die Gräfin schläft. Muss sie auch. Dann marschiere ich endlich los, wie immer auf den letzten Drücker.

Man sollte meinen, dass man mit Mitte 50 ein Alter erreicht hat, wo man ungefähr weiß, was mit einem los ist. Stattdessen betrete ich Tag für Tag Neuland, was mich betrifft, selbst in Gebieten, die mir außerordentlich bekannt vorkommen müssten. Ich brauche eine gute halbe Stunde bis in die Nordstadt, durch Nieselregen. Ich spanne den Schirm auf, es ist dunkel, viel zu warm für Dezember. Ich stratze der Trasse entlang, wie auf Eiern, fühle mich mit jedem Schritt schlechter, den ich mich weiter von zuhause entferne. Es ist diese Ahnung, jeden Moment wegkippen zu können, die Böschung runterzufallen, es ist die Schwäche in den Beinen. Am alten Nord-Bahnhof verlasse ich die Trasse. Es geht die Strasse hoch Richtung Rathaus. Ich bin dermaßen außer Puste, am liebsten würde ich den Termin canceln und den Bus nehmen und zum Doc nach Gräfrath fahren, doch allein die Vorstellung, in einen Bus zu klettern, der um diese Uhrzeit vollbesetzt ist mit Schülern, hält mich davon ab, es zu tun.

Reiß dich zusamen.

Ich lasse den Aufzug links liegen und nehme das Treppenhaus, schleppe mich die Stufen hoch. Vierter Stock. Es ist diese jede kleine Faser des Körpers in den Würgegriff nehmende, käsige Schwäche, die mich so fertig macht. Gutachterlicher Dienst. Wartebereich. Ich hänge den Mantel an die Garderobe, ich falle gleich um. Sofort biegt eine Mitarbeiterin um die Ecke. Es ist Punkt 8.00. Sie muss mich gerochen haben.

„Guten Morgen“, sagt sie. „Ich komme gleich.“

„Mir gehts schlecht“, sag ich.

Sie bleibt stehen. Mir steht die Panik ins Gesicht geschrieben. Sonst würde sie nicht so gucken.

„Was ist denn los?“

„Mein Kreislauf..“

„Kommen Sie mal mit.“

Was sein Innerstes betrifft, tappt der Mensch grundsätzlich im Dunkeln. Er greift mal hier und mal dort hin, und was er dabei zu fassen bekommt, hält er für seine Seele, solange es nur halbwegs in die Hand passt.

„Haben Sie Stress?“

„Stress..? Nein.. ich..“

Mein Kreislauf bricht gerade zusammen, acht Uhr früh.

„Legen Sie sich hier hin..“

Eine zweite Mitarbeiterin kommt hinzu. Sie erschrickt, als sie mich erblickt. Kalter Schweiß, rasender Puls. Der Blutdruck wird gemessen. Ich hasse Blutdruckmanschetten. Ich drehe schon durch, wenn sich Blutdruckmanschetten am Oberarm aufpumpen, ich sehe Eingeweide aus dem Inneren des Oberarms spritzen. Ich hasse, ich verachte Blutdruckmessungen. Einmal musste ich ein Gerät zur 24-Stunden-Blutdruck-Dauermessung mit nach Hause nehmen. In der Nacht hielt ich das ständige Aufblasen der Manschette nicht mehr aus, ich riss mir das Gerät genervt ab und schmiss es gegen die Zimmerwand.

„Hier. Ist kaputt“, sagte ich tags drauf bei der Rückgabe.

Als ich beim Stadtdienst Gesundheit auf der EKG-Pritsche liege und irgendwie zu entspannen versuche, „machen Sie sich lang.. richtig lang..“, bitte ich eine der beiden Mitarbeiterinnen das grelle Deckenlicht herunterzudimmen, „das macht mich krank.“ Ich weigere mich, eine zweite Blutdruckmessung über mich ergehen zu lassen, weil der Wert der ersten Messung so hoch war. 160/100.

„Ziemlich hoch, ne?“ sag ich.

„Geht so. Gibt höhere“, sagt die ältere der beiden Mitarbeiterinnen, eine vorsichtige Blondine um die 50. Wie sie das sagt, fühle ich mich kurz wie im Puff vor 25 Jahren, als es mir zu schnell kam und ich die Hure fragte: „Ging schnell, ne?“, worauf sie antwortete: „Geht so. Gibt schnellere.“ Sie hat einen knackigen Gang, sie trägt knackige Stiefel. Ist aber vorsichtig, irgendwie, die Blondine.

„Bleiben Sie besser liegen.“

„Ich hasse diese Manschetten“, erkläre ich.

Ich liege im Dunklen, stürze mit zittriger Hand hintereinander zwei volle Gläser Wasser runter, ich hab irren Durst. Kommt die jüngere der beiden Mitarbeiterinnen rein, die Dunkelhaarige: „Sie sind ja immer noch ganz blass.“

„Ja. Aber hier liegen tut gut“, sag ich, „besonders… die.. äh..“

Besonders die äh was? Weiter komme ich nicht. Ich versuche ihr mitzuteilen, dass mir die Luft gut tut, (man hat auf mein Bitten hin das Fenster geöffnet), aber ich finde das Wort „Luft“ nicht. Die frische Luft. Ich verhaspele mich stattdessen, „das Licht äh Wasser tut gut äh..“ Kurzfristig bekomme ich Panik, dass ich vielleicht einen Schlaganfall erlitten habe, ich meine, beim Schlaganfall redet man doch Blödsinn und hat Wortfindungsschwierigkeiten. Die andere Mitarbeiterin ist im Nebenzimmer entschwunden und kehrt nun zusammen mit dem Doktor zurück, dessen Dienst gerade begonnen hat. Er wirft sich im Gehen den weißen Kittel über.

„Was machen Sie denn für Sachen, junger Mann?“

Mit meiner Herzinfarkt-Vorgeschichte, dem hohen Blutdruck und meinem fahrigen Allgemeinzustand plädiert der Doktor dafür, den Notarzt zu rufen und mich im Krankenhaus abchecken zu lassen. Ich bin dagegen, ich will nicht ins Klinikum. Ich stehe auf  und will gehen, gegen den erklärten Willen aller Anwesenden.

„Ich brauche nur etwas frische Luft“, lüge ich.

Man lässt mich wiederwillig ziehen, nicht ohne zuvor eine Erklärung unterzeichnen zu lassen, dass ich auf eigenes Risiko verschwinde. Kaum hab ich die vierte Etage verlassen und stolpere die Stufen runter, ist es aus. Wie oft willst du dich eigentlich noch verabschieden von dieser Welt..? geht es mir durch den Kopf, wie oft willst du noch Aufwiedersehen sagen, als ich mich im Treppenhaus an der Wand abstütze, um nicht zu stürzen. ..bis du irgendwann einmal wirklich mal Aufwiedersehen sagst. Ich schaffe es so gerade noch zurück, die Treppe hoch ins 4. Stockwerk.

„Hilfe..“

Diese Schwäche, dieser wattierte Erdboden unter mir, die Kopflosigkeit.. ich halt mich nicht mehr aus. Jemand kommt mir entgegen und sieht, so seine Worte, die Bescherung. Ein Rettungswagen wird gerufen. Die beiden Sanitäter, die mich ins Städtische Klinikum begleiten, diesmal ohne Blaulicht, vermerken auf dem Einlieferungsschein lediglich „Kreislaufprobleme“, dementsprechend lande ich in der Hierarchie der Notfall-Ambulanz weit weit hinten.

Der Wartebereich ist in mehrere halboffene, fast clubähnliche Inseln aufgeteilt. Ich zähle rund 30 Leute, die vor mir dran sind, dann höre ich mit dem Zählen auf. Das kann Stunden dauern bis ich an der Reihe bin.

„Ich geh was Luft schnappen“, sag ich zur Mitarbeiterin am Notfall-Tresen.

„Ja ja“, winkt sie ab, „machen Sie ruhig, das dauert sowieso, bis Sie dran sind…“

Na super. Und wenn ich einen versteckten Infarkt habe? Einen atypischen? Einen ohne großes Engegefühl in der Brust? Dann sitze ich hier drei Stunden in der Ambulanz herum und sterbe vor mich hin, bis sich irgendwann jemand erbarmt und meinen Leichnam untersucht. Ich laufe vorm Eingangsbereich der Klinik auf und ab, beinah wie daheim, gefangen in diesem ominösen Beinahe-Kollaps. Da ich zwischendurch auch helle Momente durchlaufe, (wo so etwas wie ein gutes, ansatzweise kräftiges Körpergefühl durchschimmert), spiele ich mit dem Gedanken, mich einfach abzusetzen und mit dem Bus nach Hause zu fahren. Oder ich rufe Sanne an und bitte sie, mich abzuholen. Doch kaum hellt sich mein Gemüt etwas auf, verdunkelt es sich auch schon wieder. Ich verwerfe jeden Fluchtgedanken. Ich bin definitiv zu kaputt, um NICHT hier zu sein und abzuhauen. Aber drei Stunden in der Ambulanz rumhocken, bis ich dran bin, halte ich nicht durch.

Kaum zurück am Notfall-Tresen, schnappe ich mir eine Mitarbeiterin.

„Hören Sie, ich hab schon mal einen Herzinfarkt gehabt, das fühlte sich genau so an wie jetzt.. Haargenau sogar.“

Meine Stimme stelle ich auf dünner ein als nötig. Die Mitarbeiterin bleibt gelassen. Nimmt den Hörer der Telefonanlage ab und drückt einen Knopf.

„Nehmen Sie da vorn Platz“, sagt sie nebenbei. „Es kümmert sich sofort jemand um Sie.“

Ich eiere einem Durchgang entgegen: NUR FÜR PERSONAL.

„Nein, nicht da… da vorn! Auf einem der drei Stühle.“

Ich lasse mich nieder, höre sie telefonieren. Sie ist die Routine in Person. Mir ist mittlerweile so warm, ich ziehe den Mantel aus, dann den schwarzen Pulli, und warte. Ich schwitze. Mein Gang, mein ganzer Apparat, alles unsicher. Beim Aufstehen heißt es aufpassen, dass ich nicht in die Glastür falle. Nach wenigen Minuten erscheint ein junger Mann im blauen Krankenhaus-Dress.

Freiwilliges Soziales Jahr.

„Können Sie laufen?“ fragt er bekümmert, als er mich sieht.

„Nicht gut“, sag ich.

„Moment.. Ich  besorge uns einen Rollstuhl.“

In den nächsten Minuten sehe ich ihn an den verschiedensten Ecken der Ambulanz hin- und herlaufen. Dann endlich hat er gefunden, was er suchte, und holt mich mit dem Rolli ab.

„Bitte Platz nehmen. Es geht zum EKG.“

Vorm EKG-Raum stellt er mich ab und arretiert den Stuhl.

„Sie werden gleich aufgerufen.“

Der EKG-Raum hat keine Tür, wird nur von einem zugezogenen blauen Vorhang abgetrennt. Der kleine Wartebereich ist überfüllt. Ich schätze, ich bin an Nummer 6 dran. Oh Scheiße. Ich geh kaputt. Ohne mich. Ich steh auf, laufe auf dem Gang rum, spreche den erstbesten Pfleger an, der mir begegnet.

„Mir geht’s schlecht“, sag ich.

Er bleibt stehen. Auf diesen Satz sind hier alle geeicht. Der geht immer. Sesam öffne dich.

„Wo müssen Sie denn hin?“ fragt er und deutet zum EKG-Raum. „Dahin?“

Ich nicke. „Ja. Ich fall gleich um.“

„Moment, ich sag Bescheid.“

Er verschwindet einige Meter weiter im Zimmer der Stationsleitung. Ich höre ihn tuscheln, man schaut zu mir herüber. Es dauert keine Minute, da wird der blaue Vorhang aufgezogen und ich werde hineingebeten – natürlich zum Verdruss anderer Patienten, die schon länger warten.

„Können Sie laufen..?“

„Bin schon unterwegs.“ Ich schiebe den Rollstuhl vor mir her.

„Legen Sie sich hin, bitte. Oben freimachen.“

Nach dem EKG, („alles in Ordnung“), nimmt sich eine Schwester meiner an und bringt mich in die Kardiologie, wo mir Blut abgezapft wird. Die Daten meines letzten Klinikaufenthalts erscheinen auf ihrem Bildschirm. Auch meine Opiatabhängigkeit ist verzeichnet. Sie wundert sich, dass ich so intakte Venen habe.

„Ich denke, Sie waren abhängig?“

„Ja. War ich auch. Und?“

„Haben Sie Heroin geraucht? Ich sehe keine Narben in der Armbeuge.“

Na, die kennt sich aber aus. Sie ist superfreundlich. Sie selbst habe eine schwere Autoimmunkrankheit, erzählt sie. „Da ist man auch ein bisschen ein Aussenseiter.“ Und was Rauschgift betrifft, nun ja, sie komme aus Bayern, sagt sie. Da kannte sie einen Landrat der CSU, der war auch heroinsüchtig.

„Aber ein ganz netter.“

„Ach so“, sag ich.

Keine zwanzig Minuten später tritt plötzlich ein Arzt hinzu. Er hat lustige Augen, deren Ursprünge vermutlich im Orient liegen.

„Was ist passiert? Waren Sie bewusstlos?“ fragt er. „Sind Sie umgefallen?“

Er hat es eilig. Es warten noch andere, die auch gleich tot sind. Umgefallen? Nein. Ich bin nicht umgefallen. Ich erzähle ein bisschen von mir. Ich war kurz vorm Umfallen, ich hätte umfallen können, ich hab mich in letzter Sekunde gefangen. Er sagt, nein, da ist nichts, er könne nichts feststellen. Auch die Ergebnisse des Schnelltests wären soweit alle in Ordnung. Was ist mit Sport? fragt er. Um den Kreislauf zu stärken. Machen Sie Sport?

„Wenn man immer das gleiche macht im Leben, darf man sich nicht wundern, wenn einen immer das gleiche heimsucht.“ Und dass man dann alle Naselang in der Notfallambulanz landet, mit zu viel Wasser im System.

*

„Vielleicht solltest du deine Ängste bündeln und eine Sammelklage gegen dich selbst anstrengen. Ja, vielleicht solltest du das tun, mal so richtig gegen dich selbst vorgehen, damit sich mal was ändert. Von Genesung will ich gar nicht reden.“

(Sie).

*

Solange der Mensch lebt, plant er für die Ewigkeit. Er kann nicht anders. Und wenn der Tod ihn doch erwischt, ist die Planung eben über den Haufen geworfen. Dann hat es eben nicht geklappt. Und nebenan, in einer anderen Wirklichkeit, steht schon die nächste Ewigkeit in den Startlöchern und erwartet den Anpfiff.

*

Nach der Lesung spielt Stiller Teilhaber seine einstündige Show runter. Die E-Gitarre als Spitzhacke geschultert, bewaffnet mit Drum-Computer und einem Arsenal an Stompboxen und anderen Bodentretern, steigt der Punkrocker hinab ins Fegefeuer. Der Mann kommt aus der Unterwelt. Er kennt keine Gnade. Es knistert und es lodert in seiner Nähe. Und: Der Teufel trägt original Blue Suede Shoes. Keine Ahnung, wo er sie aufgetrieben hat. Wie spitz zulaufende dunkelblaue Landzungen rennen sie vor ihm her. Er ist ein Egomane, ein Verzückter, der alles macht, nur eines nicht, ja, er kennt nicht einmal das Wort dafür, was vielen anderen die Luft zum Atmen nimmt: Kompromisse. Macht er nicht. Kann er nicht.

„Dann könnte ich ja gleich Einkaufen gehen“ sagt er.

Danach ist Party angesagt. Fast alle der 50 Zuhörer bleiben noch auf eine Flasche Bier im Cow Club. Das erste Mal seit langer Zeit stehe ich eng mit Rauchern zusammen und rede und höre zu, in der Hand ein Bier. Es sind ja nicht nur Bekannte gekommen, (darunter Karlos, Schnaat und meine Schwester), auch Teile des Cow Club-Stammpublikums und Freunde des Stillen Teilhaber sind da.

Ein immer noch frisch aussehender Alt-Punk stellt sich zu mir, wir können sofort gut miteinander. Er kannte meine Texte bislang nicht, sagt er, ein Bekannter habe ihn mitgenommen.

Solinger wissen in der Regel nichts von meinem Blog, es sei denn, sie kennen mich von früher. Was Solingen angeht, habe ich nie Wert darauf gelegt, gelesen zu werden. In Solingen muss niemand wissen, was ich treibe, wenn ich am Straßenrand stehe und das Notizbuch raushole. Die Solinger dürfen ruhig glauben, ich würde ihre Kfz-Kennzeichen festhalten, weil sie zu schnell fahren. Car Spotting auf Bergisch. Sollen sie ruhig alles glauben, dann kommt auch niemand auf die Idee, ich würde über ihn schreiben. Das bedeutet Freiheit – für alle Seiten.

„Deine Texte handeln ja irgendwie alle von Aussenseitern und Kleinkriminellen“, meint der Altpunk und erzählt von seinem Freund Alex, der neun Jahre seines Lebens hinter Gittern verbracht hat, bis jetzt.

„Neun Jahre, wenn man das so hört, neun Jahre hinter Gittern, denkt man ja sofort, wow, was ein schwerer Junge. Dabei waren das alles Lappalien, für die er verknackt wurde, die sich aber summiert haben.“

Allein 24 Monate ohne Bewährung kassierte Alex für einen angeblichen Einbruch im Karstadt. Dabei war er lediglich kurz vor Feierabend auf dem WC eingeschlafen –  volltrunken, logisch. Als er wach wurde, war es mitten in der Nacht und er hatte null Ahnung, wo er sich befand. Als er die Toilette verließ und realisierte, das muss Karstadt sein, da geh ich öfters pissen, bekam er Panik. Wie zum Henker sollte er aus einem Warenhaus rauskommen? Mitten in der Nacht??

„Hatte der kein Handy dabei?“ frage ich dazwischen.

„Doch, hatte er. Doch was sollte er machen? Die Bullen anrufen? Hilfe, ich bin im Karstadt eingepennt und komm nicht raus?! Das kann vielleicht eine Oma den Bullen erzählen, aber kein Punker..“

In seiner Konfusion trat Alex im Erdgeschoss die Glastür des Haupt-Eingangs ein. Er trug zum Glück seine Doc Martens mit schwerer Stahlkappe. Zum  Glück?! Sofort sprang der Alarm an, mit einem Höllenlärm, und eine zufällig durch die Innenstadt schleichende Zivilstreife fing Alex noch am Tatort ab.

„Wobei, es war ja gar kein richtiger Tatort.“

Alex wurde verhaftet, während er noch in den Glasscherben stand. Man glaubte ihm kein Wort. Weder die Nachtstreife noch der Richter einige Zeit später. Auch wenn man keinerlei Beute bei ihm fand.

„Das ist ja wohl logisch“, so der Richter. „Man hat Sie auf frischer Tat ertappt, bei einem Einbruch. Sie hatten ja noch gar keine Zeit zum Beutemachen.“

Als ich das hörte, wurde ich stutzig. Ich fragte mich, ob ich gerade einer Großstadt-Mär aufsaß.

„Hätte man nicht anhand der Lage der Glasscherben erkennen können, dass der Fußtritt gegen das Glas von innen kam und nicht von draußen..?“

Er winkte ab.

„Ja, schon klar. Hab ich auch gedacht. Aber glaubst du im Ernst, dass die Bullen sich wegen einem scheiß Punker solche Mühe machen und Spurensicherung betreiben..? Das gibt’s immer nur im Fernsehen.“

Außerdem sei Alex zwar einer seiner beste Freunde, aber nicht gerade als besonders geistesgegenwärtig bekannt. Leider. Und dafür gab es zwei Jahre. Ohne Bewährung. Selbst eine vorzeitige Entlassung auf zwei Drittel wurde ihm verwehrt.

„Und was die Straftaten für die restlichen sieben Jahre Haft betrifft, da sah es nicht besser aus. Nur Kleinscheiß. Nur Blödsinn.“

Wir stehen noch eine Weile zusammen. Im Hintergrund läuft elektronische Musik. Beim Plaudern stellen wir fest, dass wir einen gemeinsamen Bekannten haben, der schon seit 20 Jahren tot ist: der dicke Ben. Der dicke Ben war ein pausbäckiges Hundertkilo-Schlachtschiff aus den 80ern, das gern zum Schnell-Chinesen ging und mit seiner Körperhygiene haderte. Aus der Ferne sah Ben oft aus, als trüge er einen Sepplhut, dabei hatte er bloß sein Haar monatelang nicht gewaschen. So Typen eben, Typen aus einer kalten kleinen grauen Stadt, Typen aus den hinteren Räumen der Milchstrasse – da, wo es nach Hause geht. Der dicke Ben. Wir prosteten uns zu.

19 Gedanken zu „In einer kalten kleinen grauen Stadt

  1. Depression und Angststörung inkl Panikattacken: Willkommen im Boot. Wusste ich ja nicht von dir. Danke fürs Erzählen! Das Bild mit den Kabeln bringt es auf den Punkt! (Ich hatte die ganzen Tests auch gemacht: Das kann doch nicht alles „nur psychisch“ sein mit keine-Luft-bekommen.)

    Klasse Textgespinst, sehr dicht.

    Was du über eure Beziehung schreibst …

    Ein sehr berührender, sehr persönlicher Text. DANKE.

    Liken

  2. In bester Gesellschaft ich bin … mit knapp 38 habe ich meine missratene Pubertät abrupt beendet und nochmal angefangen. Sachen gelernt, die andere mit 16 drauf haben oder kriegen. Besser spät als nie.

    Die Gerührten unter den Geschüttelten.
    Für den Satz kriegste `n ❤

    Grüße aus dem Tal der Wupper!

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  3. Toller Remix bekannter Themen. Ich hatte den Eindruck, einige Ab-Sätze schon in anderen Zusammenhängen hier gelesen zu haben, aber in dieser Collage intensivieren sie sich wechselseitig in ihrem Auf und Ab von Euphorie und Depression. Und als Inseln dazwischen die Verlautbarungen der Gräfin. Klasse.

    Bleib grau, sonnig und bei Trost!
    Uwe

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  4. Riders on the storm
    Riders on the storm
    Into this house we’re born
    Into this world we’re thrown
    Like a dog without a bone
    An actor out on loan
    Riders on the storm

    Grüße aus Dortmund – Britta

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  5. Ich scheine die Tatsachen nicht wahrhaben zu wollen
    Ich bin angespannt und nervös, ich kann einfach nicht entspannen
    ich kann nicht schlafen, da mein Bett in Flammen steht
    Berühr mich nicht, ich stehe unter Strom

    Psychokiller, was heisst das?

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  6. Selten so eine gute Beschreibung von Herzinfarkt und Angstzuständen gelesen, klasse! Und dass Ihr beide schon so lange zusammen seid, ist wirklich ein großes Glück. Mein Liebster, mit dem ich 37 Jahre lang zusammen war bis er vor 2 Jahren starb, sagte immer:“ohne meine Frau wäre ich schon lange tot!“

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  7. Ach, lieber Glumm. Die Panikattacken versauen einem doch wirklich alles, Dabei sind sie ja deine besten Freunde. Da ist was ungehört, was jetzt gehört werden will. Unangemessen blumig hört sich das an, ick weeß. Verniedlichend, aber so ist das nicht gemeint.

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