16 Gedanken zu „Favorisierte Ecken (2)

  1. Am Theegarten, geheimnisvoll anmutender Außenbezirk und Grenzland zu verwegenen Orten banger Lederhosenjahre. Wie der Papiermühle, wo über Nacht die Wupper von geheimnisvollen Unbekannten zu blau-, grün- oder rotglänzender Giftbrühe gekocht wurde. Am Theegarten, den man schon immer nur mit dem „Am“ beim Namen nennen durfte, damit einen die zwölffingrigen Langriesen mit Nasen-Gaumenspalten wie Wupperbergsschluchten nicht zu ihren gefährlichen Spielen heranholten.
    Am Theegarten. Winterliche Rodelparadiese, deren mit jedem Meter steiler werdende Abfahrten jäh in Stacheldrahtzäunen endeten.
    Am Theegarten. Trügerisch ländliches Idyll. Last Beeke Nowhere.
    Man tat gut daran, mit dem Fahrrad von der Hofschaft Meigen über den Schmalweg kommend, rechtzeitig vor’m Anstieg hoch zum Am Theegarten die Kurve zu kratzen. Dann kam man, wenn’s gut ging, mit einer satten Acht im Hinterrad davon, weil man auf einem heimtückisch auf die Piste gesetzten Kuhfladen den Rodeo-Abflug machte. Hauptsache nicht Am Theegarten amrollen!
    Den letzten Außenposten oben links Am Theegarten bevölkerte die Familie Welcheholdt. Vater und Mutter soll es gegeben haben, auch wenn sie nie gesehen wurden. Die Kinderschar seltsame Baumwesen mit Drogenmagneten in ihren Schlagjeans. Gefährliche Märchenerzähler die Jungs, die von vermeintlichen Beschützern zu irrlichternden Peinigern mutierten. Von wundersamer Schönheit ihre weizenblonde Riesenamazonenschwester, einst beste Freundin von Pi’s Heidi, die – wie eben noch die Wupper – eines Nachts ihre Farben tauschte. Muss mit den Magneten zu tun gehabt haben. Von Herz ♥ auf Pik ♠ und nicht mehr zurück. Zwanzig! Zwo! Weg! Über reizt und Verloren. Man sah sie nur noch in Schwarz 🏴, auch die Haare, ein/zwei Jahre noch vielleicht, dann sah man sie gar nicht mehr.
    Noch heute, wenn es mich an mutigen Tagen dort vorbei führt, ganz oben links, schau ich nach diesem Bauwagenhaus, in dem sie wohnten und es schaudert mich und macht mich traurig. Da oben, Am Theegarten.

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      • Schön, von Dir zu lesen. Bin da halt groß geworden. Danke.
        Kennst Du niemanden aus der Riesen-Familie? Vielleicht ja doch, aber kannst nicht zuordnen. Es ist schön da oben Am Theegartener Kopf. Guter Blick. But beware of Bauwagenhaus!

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      • Das sagt mir nichts., weder die Riesen noch das ominöse Bauwagenhaus. Als Kind/älteres Kind hatte ich mit der Ecke Meigen nicht so viel am Hut. Meine Ecke war eher Klauberg/Schillerstr. Und natürlich Kohlfurth. Die Schraubstollenjahre.

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  2. Deine Schraubstollenjahre, um die beneide ich Dich. RSV – ein Mythos. Ri Ra Rau – RSV!
    Ich bin mit elf oder zwölf mal bei 03 gewesen, aber hab da keinen Stollen auf den Boden gekriegt. Musste mit dem Bus dahin und wusste nicht wie Abseits funktioniert. War eher abtörnend. Dabei war ich dermaßen fußballverrückt. Hab Deine unglaublichen Mattenfotos gesehen, und Deine ultracoole Linksaußenfresse.
    Ich war dann beim Turnerbund das Handballtalent. Hallensport – total uncool.

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    • Stimmt! Du hast ja Handball gespielt beim STB.. Dass es bei der Spvvg. 03 nicht geklappt hat – geschenkt. Die Lullis von der Nibelungenstr. waren unsre Erzfeinde. Die Trikots stets blitzsauber, die Stutzen nicht verrutscht und das Hemd in der Hose, Scheiße, haben wir die gehasst. Lauft erstmal nach Hause und lasst euch von Mama den Bauch waschen!

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      • Post SV wäre naheliegend gewesen. Zum Ritterplatz hätte ich zu Fuß gehen können.
        Welchen Stand hatten die Postler bei Euch Rassplern?
        (Du darfst ruhig ehrlich sein)

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      • Post war für uns ein Club wie der RSV selbst. Ein Arbeiterverein. Ehrlich, bisschen langweilig, vielleicht nicht so viel Langhaarige wie bei uns. Übrigens, ein schöner Sportgruss beim RSV, wenn wir uns vorm Spiel aufstellten. Einer rief: „Wat fritt dat Perd, wat fritt dat Perd?“ Dann alle: „Heu! Heu! Heu!“ Total sinnlos, große Klasse.

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  3. Sehr geil der Schlachtruf. Da trifft die Bezeichnung doppelt.
    So richtig los ging es bei mir fußballerisch dann erst mit drei- vierundzwanzig. Hobbyligameister mit den Mumms Kickers und anschließender Tour nach Manchester mit 2 Auswärtsspielen (2:10 und 3:11, wobei unsere 5 Treffer auf meine Kappe gingen; Stolz Stolz Stolz!), gelegentliche Gastspiele mit Cannabis, dann SG Vockert und später Anarchos, mit der AOK im Betriebssport und in meiner Wuppertaler Zeit dann mit den Wüstensöhnen in der Bunten Liga (Meister 1997 vor den legrndären Eller Schlossparkgurken) und im Wuppertaler Betriebssport und Gastspielreise nach Istanbul 1996. Für die Fußballjahre bin ich sowas von dankbar. Die Kickerei hat mich bis
    Mitte 30 über Wasser gehalten, ohne wäre ich den Bach runter gegangen. Als es wegen meines Rückens vorbei war mit der Kickerei, hatte ich schon meine kleine Familie komplett und war damit raus aus dem Gröbsten. Naja, so war das mit den 90 Minuten.

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      • Und es waren echt gute Kicker dabei: der lange Föste, Dirk Möllmann, Peter Gorny…
        Benzini war übrigens auch mit von der Partie. Die Nächte waren ein Meer von Lager und Gin, und unsere Leistung auf dem Rasen fiel entsprechend aus. Elf aufgeweichte Gummibärchen gegen locker federnde Grätschmaschinen.
        Das mit dem Träumen meiner Aktionen auf’m Platz war über all die Jahre mein Einschlafritual und verlässliche Pharmazie gegen alles was nicht auf dem Platz stattfand.

        „Ey Franz, what heißt denn obergärig auf Englisch?“ („Hacki“ Hanns-Werner Haag bei dem Versuch, seine Unterhaltung mit der Pub-Schönheit am Laufen zu halten, Pub „Hare And Hounds“ irgendwo bei Manchester, Spätsommer 1985)

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  4. Genau das. Bei der Union. Hat sich aber nicht etablieren können. Es mangelte ihm etwas an Körperlichkeit, aber er war ein feiner Techniker mit Torgefährlichkeit. Immer wenn ich mit ihm gekickt hab, war er klar der beste Mann auf dem Platz.

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  5. Ich störe nur ungern Eure fußballerischen Erinnerungsschleifen, aber das ist wirklich ein herzerweichend zerzaustes Baumwesen, was Du da abgelichtet hast. Das wollte ich noch festgestellt haben.

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