RAUCHT AHMEDS SCHUHE!

Ahmed, ein in Deutschland geborener Marokkaner, konnte wie alle marokkanischen Jungs unfassbare Mengen Haschisch über die Lunge aufnehmen und noch währenddessen ausdiskutieren, welche Methode der traditionellen Haschischherstellung ein schönes Ergebnis brachte. Großes arabisches Palaver, mysteriöse kleine Winkelzüge, Geschichten aus Tausendundeiner Nacht.

In diesem Zusammenhang erfuhr ich auch die Wahrheit über RAUCHT AHMEDS SCHUHE, jenem hochklassigen Graffito, das lange Jahre das Gesicht der Stadtautobahn prägte und uns jedes Mal, wenn wir Richtung Ohligs unterwegs waren, übermütig am Dreiblatt ziehen ließ,

„hey, die Tüte nicht heißrauchen dahinten!“,

Es war ja kein kleines, rasch hingerotztes, kaum leserliches Graffito, im Gegenteil, es war fett mit Pinsel und schwarzer Farbe aufgetragen, am Pfeiler einer massiven Stadtautobahnbrücke. kurz vor einer Abfahrt namens „Schwarze Pfähle“. Man sah, da hatte sich jemand Mühe gegeben, mit meterhohen Buchstaben. Weil es so gut gemacht war, hielt es auch über viele Jahre der Witterung stand und prägte eine ganze Generation von einheimischen Kiffern, die regelmäßig die Stadtautobahn nahmen.

Irgendwann lernte ich Ahmed persönlich kennen. Ein robuster Kerl mit fröhlichen Augen und Löckchen, der auch gern mal eine Linie Koks zischte. „Das ist DER Ahmed“, hörte ich. Ich verstand erst nicht. „Wieso DER Ahmed? Was meint ihr damit?“ Da erst erfuhr ich es. Von Ahmed selbst. Er räusperte sich.

„Ich bin der Ohligser Raucht Ahmeds Schuhe-Ahmed.“

Ich erstarrte vor Ehrfurcht. Es war fast, als hätte sich mir Jesus offenbart. Na ja, nicht ganz so spektakulär vielleicht. Aber es ging schon in diese Richtung!

Schließlich war Ahmed in der Szene dafür bekannt, dass er sein eigenes Haschisch herstellte – handgerieben. Da er es aber nicht verkaufte, sondern nur im Freundeskreis verschenkte, war es jede Mal etwas ganz besonderes, an seinen Stoff zu kommen.

RAUCHT AHMEDS SCHUHE.

Die Geschichte nahm seinen Lauf in den frühen Achtzigern. Bei einem spontanen Fußballkick auf dem alten Mühlenhof, einem asphaltierten großen Platz in der Innenstadt, mit Wasserspielen, Bäumen und diversen Ecken, wagte es ein deutscher Bäckerbursche, sich über die Löcher in Ahmeds Turnschuhen zu mokieren. Nach dem Motto, du kannst dir ja nicht mal ein Paar vernünftige Sneakers leisten, scheiß Juffe. Woraufhin Ahmed den Ball in aller Ruhe ins Aus schlug und sich den Burschen vorknöpfte, ihn mit ein, zwei Handgriffen flach auf den Boden legte, wie eine Tapete. Auf dem Brustkorb des Burschen kniend zog Ahmed dann seinen löchrigen Turnschuh aus und stopfte ihn seinem Widersacher ins Maul, mit den Worten, „… friss Ahmeds Schuhe, Elender!“

Ahmed konnte es auf den Tod nicht leiden, wenn man sich über ihn lustig machte. Und um das auch dem Rest der Stadt ein für alle Mal klarzumachen, besorgten sich seine Kameraden einen Eimer schwarze Farbe und eine dunkle Nacht, in der sie zur Stadtautobahn schlichen und noch vor Sonnenaufgang dieses seltsame, haushohe Graffito an die Wand einer Unterführung malten:

RAUCHT AHMEDS SCHUHE!

Schön, es hätte eigentlich Fresst Ahmeds Schuhe heißen müssen, wenn die marokkanischen Jungs die Geschichte bierernst genommen hätten. Aber marokkanische Jungs, ihr könnt es mir glauben, haben es nicht so mit Bier. Eher mit Rauchen. So, wie es viele Jahre geschrieben stand an der Stadtautobahn.

So, und nicht anders.

4 Gedanken zu „RAUCHT AHMEDS SCHUHE!

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