59, neulich

Unaufhörlich frisst die Zeit einen auf, jeden Tag ein Häppchen mehr, bis es eines Tages ans Eingemachte geht, ans Endgemachte, ans High End. Wo es ans Bezahlen geht. Bar oder mit Karte, der tote Herr? “ Karte? Ich hab keine Karte. Und ich werde den Teufel tun und mir noch eine anschaffen, jetzt, wo es zu Ende ist.“ Gut gekontert, Glummi. Total super!

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Als ich neulich 59 wurde, bekam ich einen Schock: du gehst tatsächlich auf die sechzig zu, dachte ich. Andere schienen das Gleiche zu denken, ich sah es den erschrockenen Blicken an, als ich statt eines Tabletts Bier warmen Apfelkuchen verdrückte. Dabei war das so nie geplant gewesen. Als Bukowski 1986 „Nicht mit sechzig, Honey – Gedichte vom südlichen Ende der Couch“ veröffentlichte, dachte ich noch, Hank, jetzt bist du wirklich alt. Ich dachte nicht, jetzt wirst du langsam alt, nein, ich dachte, jetzt bist du alt, Hank. Was ein Elend das alles ist mit dem Altwerden. Welch eine Misere. Zum Glück bin ich erst 59.

Oh – mein – Gott.

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Man bleibt der Gleiche, wenn man älter wird, aber in diesem Gleichsein verändert man sich. Manchmal in Nuancen, manchmal mit Festbeleuchtung. Und manchmal weiß man gar nicht, welcher Vogel gerade singt. Der alte, oder der junge.

Oder der andere.

2011

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1975 im Phantasialand zu Brühl. Links einige Französinnen aus Chalon-sur-Saone, Partnerstadt von Solingen. In meinen Armen (re.) Karlos

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2019 in meinem Stall (Skizze der Gräfin). In meinen Armen: der Rechner

„Wenn du so richtig drin bist im Schreiben, laufen deine Finger über die Tastatur wie ein durchgedrehtes Hühnchen über den Hof.“

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„Ja, so ist das Leben heutzutage“, sagte sie. „Gib so viel du kannst, erwarte nichts und träum schön.“

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„Die Kunst beschreibt das Zerbrechen am Leben. Das muss man aushalten.“

  • Die Gräfin

 

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