Die Rückkehr der lächerlichen Leute

Als Neil Young Ende ’89 (Keep on) Rockin‘ in the free world rausbrachte, war ich überrascht. Lebten wir nicht schon in einer freien Welt, die mit dem Mauerfall und dem Zusammenbruch des Ostblocks freier denn je werden würde? Was also meinte Neil Young damit? Rockin‘ in the free world klang in etwa so revolutionär, als würde Bayern München in einem Freundschaftsspiel 12:0 führen und im Publikum stand einer mit der Pauke und forderte lautstark das 13. Tor.

25 Jahre später wissen wir, was Neil Young meinte. Was wir seit unseren Kindertagen als selbstverständlich erachten, nämlich in einer freien Welt zu leben, in der jeder sagen und schreiben kann, was er will, diese Selbstverständlichkeit gilt es plötzlich zu verteidigen. Eine Selbstverständlichkeit verteidigen erscheint besonders schwierig, es hat diesen Beigeschmack, als habe man es gar nicht nötig, als würden sich die Dinge schon von alleine wieder einrenken, denn schliesslich: Wir kennen es nicht anders. Wir kennen keine Diktatur, keine Gesinnungsschnüffler, keine staatlich gelenkte Presse. (Jedenfalls die Jungen und die im Westen Aufgewachsenen nicht.)

Doch es soll sich niemand täuschen. Donald Trump wird weltweit von den Nazis gefeiert, Donald Trump ist ein Nazi. (Ausmerzen des Schwachen, Auslese, Verachtung für die Menschheit etc.) Wenn man ihn lässt, verhilft er der weissen Rasse zu altem Glanz. Das ist es, was Donald Trump und seine Milliarden Dollar-Männer mit Make America great again meinen: Whites first! Whites only!

Ich war heilfroh, als ich heut morgen die Zahlen las, wieviele Menschen in den USA gestern auf die Strasse gingen, um gegen Trump & Co. zu protestieren. Es waren nicht einige Zehntausend, es waren Millionen. Allein in Los Angeles eine Dreiviertel Million. Danke, Amerika.

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Was wir in diesen Tagen erleben, ist die Rückkehr der lächerlichen Leute. Hitler war lächerlich, als er 1933 an die Macht kam. Seine Gestik, seine Sprache, sein Wuchs, der Schnauzbart – die ganze Gestalt war kaum ernst zu nehmen. Mussolini war lächerlich, wenn auch auf die italienische Tour. Es ging ihm mehr ums Gockeln. Er wollte der Chef im Korb sein – ähnlich wie Berlusconi.

Das Europa von 2017 hat reichlich lächerliche Leute im Angebot. Putin vorneweg, Viktor Orban, Erdogan, die Neurosen-Petry und der bescheuerte Holländer, der aussieht wie eine im Gesicht defekte Holzmarionette. Sie alle eint die völlige Fixierung auf die eigene Person sowie ihr lächerliches, von Neurosen dominiertes Auftreten. Jedem einzelnen von ihnen ist Selbstironie völlig fremd, sie verstehen diese Art Humor überhaupt nicht, und sie sind nicht in der Lage Phantasie zu entwickeln, es sei denn, es geht um die Machtfrage. Da ist jeder einzelne von ihnen hellwach und taktiert wie der Alligator, der lange Zeit im braunen Brackwasser vor sich hindümpelt, bis er im rechten Moment zuschnappt.

Donald Trumps Kraftmeierei auf der Bühne ist sozusagen das Meisterstück der Neuen Lächerlichkeit: wenn er den Zeigefinger der rechten Hand kreisen und turnen lässt wie ein Kasperle, dazu die Föhnfrisur einer Erbtante mit Dachschaden und eine Sprache, als würde er pausenlos in Großbuchstaben reden, das hat schon was, wenn auch keine Klasse.

Großbuchstaben machen Lärm, Großbuchstaben fallen auf. Großbuchstaben sind Gorillas, die sich ständig auf der Brust trommeln: HIER, ICH!! UUH! UUH! UUH! Oder wie die Gräfin mal meinte: Großbuchstaben sind aufdringlich. Die haben den Fuß schon in der Tür, während sie noch klingeln. Die kommen in Kolonnen, wie Drücker. Das sind Vertreterbuchstaben.

Don Trump, ein Faxen machender alter Vertreter, der vor seine Kolonne tritt und sich unschlagbar fühlt.

„Aber nur weil einer ne riesengroße Klappe hat, heisst das noch lange nicht, dass er auch mutig ist.“ (Die Gräfin)

Freiheitsliebende Kämpfer und Demokraten, sammelt Euch in den Strassen und Wirtshäusern, zeigt den Wichsern, wem die Welt gehört.

Keep on rockin‘ in the free world!

Originalton Frühstück

„Weisst du, warum die Typen aus dem Maghreb glauben, sie könnten sich bei deutschen Frauen alles erlauben?“ fragt sie beim Frühstück, als wir davon lesen, dass auch dieses Jahr Silvester wieder 2000 Nordafrikaner im Zug nach Köln unterwegs waren. „Das kommt vom Sex-Tourismus in ihrer Heimat, von den deutschen Frauen, die jeden Sommer nach Marokko und Tunesien fliegen, um sich einen Lover zu organisieren. Und wenn die Jungs dann nach Deutschland kommen, denken sie natürlich, alle Frauen hier sind Flittchen, die nur Bumsen im Kopf haben.“

Während ich noch überlege, führt sie die Unterhaltung schon mal alleine weiter.

„Natürlich machen deutsche Männer das seit Jahrzehnten, nach Bangkok düsen, um zu bumsen. Aber umgekehrt machen sich noch lange nicht 2000 thailändische Frauen auf den Weg nach Köln, um den Männern hier am Sack rumzufummeln.“

Da muss ich mal drüber nachdenken.