Ein Mädchen, das gerne guckt

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“Hoffentlich verliere ich nie mein Augenlicht”, sagt sie.

“Logisch, ist ja auch das schlimmste, was einer Malerin zustoßen kann.”

“Malerin..?  Wieso? Ich bin keine Malerin. Ich bin ein Mädchen, das gerne guckt.”

*

Sie sitzt am Tisch, versunken in diesem alten Ausstellungs-Katalog von Edward Hopper, seit über einer Stunde schon. Blättert vor, blättert zurück.

Zuletzt holt sie ihre Lupe.

“Hopper malt so großartig, man möchte seine Bilder einatmen – und dann nie wieder ausatmen.”

*

Später Nachmittag, Landschaftsschutzgebiet. Plötzlich ein Knall hinter uns, als hätte der Wald die Tür zugeschlagen.

Der Spaziergang ist abrupt zu Ende.

*

Äusserlich mag ich nüchtern wirken, innendrin bin ich ein Spinner, und: einmal Spinner, immer Spinner. Das lässt sich nicht einfach ausknipsen wie das Licht im Backofen, zumal unser Backofen defekt ist, das Licht lässt sich nicht mehr ausknipsen. Noch tief in der Nacht leuchtet es einem vergessenen Hähnchenbollen heimwärts ins Reich des weissen Superfleisches.

“Du Spinner”, murmelt die Gräfin.

*

Na. Das murmelt die richtige.