Leeds

Am Schlagbaum, einer von mächtigen Laternenmasten und schwefelgelbem Autobahnlicht dominierten Kreuzung in der Nordstadt, gab es eine Karateschule, unter der mein alter Kumpel Benzini hauste, der Kater Karlo der Nordstadt, der ewige Panzerknacker: der wahre Käptn Haddock.

Natürlich hieß Benzini nicht Benzini.

Benzini war einer der Patienten aus Einer flog über das Kuckucksnest. In dem 1975 erschienenen Hollywood-Blockbuster läuft er auf dem Flur der Irrenanstalt herum, im weißen Anstaltshemdchen, und grämt sich „ich bin müde, ich bin.. schrecklich müde..“ Sehr viel mehr gibt die Figur nicht her. Einmal ist er ganz außer sich und wird („ICH BIN MÜDE, ALLES UNSINN!!“) von Pflegern abgeführt, als es in einer Gesprächsrunde fast zum Aufstand kommt. Es waren genau diese Szenen, die meinen Kumpel dazu brachten, den jammernden Benzini zu imitieren, wenn er am Tresen des Mumms den nächsten Drink kippte. „Ich bin schrecklich müde..!“ rief er und legte sich schlafen, im Stehen, was Sinn machte, hatte doch das Mumms in seinen besten Zeiten etwas von einer überfüllten psychiatrischen Klinik.

„Alles Unsinn…!!“

Dabei blieb es nicht. Wenn Benzini Feuer fing, dann richtig, dann stand er in Flammen. Er überklebte das Schildchen an seiner Türklingel mit BENZINI, er pinselte BENZINI auf seinen Briefkasten, er ließ den Eintrag im Telefonbuch korrigieren, (was überraschend einfach ging), er legte überall die Benzini-Fährte aus. Es dauerte ein halbes Jahr, dann war der Spuk zu Ende. Was blieb, war der Spitzname. Benzini blieb.

Den gab er nicht mehr her.

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