Die wahren Helden wohnen um die Ecke

Solingen ist ein düsteres Pflaster, die Ortschaften heißen Rüden, Werwolf, Teufelsinsel, Schwarze Pfähle, Papageiensiedlung. Der Kölner Komiker Konrad Adenauer nannte Solingen einst das Sibirien Deutschlands. Der Menschenschlag ist verschroben, geheimnisvoll und misstrauisch.

Und ein bisschen schlecht angezogen. Wenn die Schwester der Gräfin aus Düsseldorf zu uns in die Stadt kommt, und Düsseldorf ist nur ein paar Kilometer entfernt, fühlt sie sich tief in die 80erjahre zurückversetzt, wo Leggings und Stirnband der letzte Schrei war.

„Das ist nur modernes Hundegebell, das sind die nötigen Abwehrmaßbahmen“, halte ich zufrieden dagegen.

Hundegebell von fernen Höfen verschreckte von jeher die Fremden, die sich der Stadt näherten, und das war gewollt: es konnte ja die Gendarmerie sein. In den weit verstreuten Tälern und Hofschaften des Bergischen Landes hatte sich steckbrieflich gesuchtes Gesindel breitgemacht, das aus den großen Städten am Rhein geflohen war und das Bergische Land bis zum heutigen Tag zum kleinen Kriminellen auf der Landkarte Deutschlands macht.

Wer die Region bereist, ist bald verhext vom welligen Zungenschlag der Einheimischen. Nicht umsonst gilt das Bergische Land als Knautschzone des deutschen Dialekts. Nirgendwo sonst wird auf engstem Raum so viel verschiedenes Platt gesprochen. Die Landschaft ist verheißungsvoll und brombeerprall, ein kleines England, aber auch dunkel und einsam, die Erde ist sauer. Bushaltestellen der Linie 686 tragen Namen wie Jammertal und Geilenberg, und gleich die nächste Ausstiegsmöglichkeit heißt:

Hoffnung.

Dass die wahren Helden um die Ecke wohnen ist keine Verblüffung auslösende, brandneue Erkenntnis, aber es markiert einen Standpunkt. Mir ist der Nachbar lieber, der irgendwas im Leben gut auf die Reihe kriegt als das Idol aus dem Fernsehen, das hauptsächlich ein Geschäftsmodell verfolgt und in Wirklichkeit vielleicht ganz anders ist als das Bild, das ich von ihm habe.

Natürlich bekomme ich auch den Nachbarn nur in Ausschnitten mit, logisch, doch ich kann bei ihm klingeln und nach dem Rechten schauen. Das funktioniert beim Hollywoodstar eher nicht. Stell dir vor, es klingelt bei Jack Nicholson abends an der Tür, und als er öffnet, steht eine Million Fans auf der Matte: „Alles roger, Hans?“ Schwierige Konstellation, anstrengender Abend.

Da machen die Helden, die um die Ecke wohnen, ganz andere Probleme. Etwa: Was tun, wenn sie fortziehen? Wenn sie plötzlich ganz woanders wohnen und gar keine Nachbarn mehr sind, wenn sie dich zurücklassen, ohne sich um adäquaten Helden-Ersatz zu kümmern?

Ist das jetzt gemein oder bloß der Lauf der Dinge?

*

Der kleine dicke Mann, der seit 1962 um die Ecke lebt, zieht fort. Die Wohnung ist ihm zu teuer geworden. Außerdem hat er es in den Beinen, er kann nicht mehr gut gehen, er und seine Frau haben eine Erdgeschoßwohnung gefunden, in einer anderen Siedlung. Wo man keine Treppen steigen muss, um den Einkauf und sich selbst reinzubringen.

Wie oft habe ich mit dem kleinen dicken Mann vorm Haus zusammengestanden und seinen Geschichten gelauscht, in diesem warmen Solinger Singsang, der mich an meine Eltern erinnert. An meine Onkel und Tanten, an Opa, meine Oma, an die ganze Sippe, die Solinger Platt sprach, den Slang meiner Kindheit.

Manchmal ertappte ich mich dabei, dass ich einfach die Augen schloss und mich in den Worten des kleinen dicken Mannes hin- und herwog, ohne groß auf den Sinn zu achten. Es war, als badete ich, und der kleine dicke Mann war mein wohltemperierter kleiner dicker Badesee.

Wer Solinger Platt nicht kennt, wer als Auswärtiger hinzukommt, für den klingt es wie ein Nuscheln, aber ein freundliches Nuscheln. Der Begriff Neuschier etwa ist so viel freundlicher als das hochdeutsche Original. En Neuschier ist ein neugieriger Mensch. Doch wenn man das Wort Neuschier hört, sieht man sofort die Nase, die sich vorwitzig um die Ecke schiebt, um etwas mitzukriegen, was einen eigentlich nichts angeht. Es ist diese sehr eigenwillige Beziehung zum Leben, die sich im Solinger Platt ausdrückt. Oft nicht so gemütlich wie im Kölsch, eher derbe-direkt.

Weil er nicht mehr gut zu Fuß war und kaum noch lange stehen konnte, hatte er sich hinterm Haus einen alten Holzschemel hingestellt, der dicke kleine Mann. Da er wusste, zu welcher Tageszeit ich ungefähr mit dem Hund durch den Hinterhof spazierte, um Richtung Wald zu kommen, nahm er Platz auf dem Schemel und wartete auf mich. Um mich zu füttern. Mit Mundart. In die er stets Klassiker einfließen ließ, Klassiker des Solinger Sprachschatzes wie das rätselhafte mauschebeet (erledigt, völlig erschossen) oder huschhascheln, eines dieser wunderbare Worte, die meine Mutter zu sagen pflegte. Huschhascheln, was so viel bedeutet wie hin- und her räumen, kramen.

Oder ummeln. Wer im Bett liegt und gemütlich vor sich hindämmert, aber noch nicht eingeschlafen ist, der ummelt ein bisschen.

– Bist du schon am schlafen? –

– Nein, ich bin am ummeln. –

Finnig ist eine Suppe, der man auf Anhieb nicht ansieht, wie brühend heiß sie ist. Eine finnige Suppe versteckt ihre Hitze unter einer unauffälligen Oberfläche, und dann verbrennt man sich das Maul, dass es nur so eine Art hat.

Jau ist ein Mensch, der geizig ist, aber da ist eine Spur mehr drin als Geiz, ein jauer Mensch ist gleichzeitig auch gefühlsarm, eine Karteileiche. Einer meiner Lieblingsbegriffe ist der schleihte Hungk. Wenn ich es ausspreche, höre ich sofort meinen Vater, der sein Urteil fällt über jemanden: En schleihten Hungk beschreibt wörtlich übersetzt einen schlechten Hund und meint einen Menschen mit zweifelhaftem Charakter, aber mit einem Augenzwinkern. Dat is en schleihten Hungk, damit meinte Vater gelegentlich auch mich.

Hm. Ja.

*

Der kleine dicke Mann erzählte gern von Fußball. Sein Enkel spielt bei der Fortuna, er ist aktuell sein ganzer Stolz, doch mir war lieber, er erzählte aus alten Zeiten. So erfuhr ich, dass hybridartige Fußballplätze wie der in Kohlfurth (in Kolfert), wo ich beim RSV alle Jugendmannschaften durchgespielt habe von der E- bis zur A-Jugend, gang und gäbe waren im Stadtgebiet, diese verfluchten Zwitterwesen aus Asche und Rasen. Das Gras säte sich mit der Zeit sozusagen von selbst aus und bildete erste Flächen, dann wuchs es von den Rändern des Feldes zur Mitte hin, es geschah von ganz allein, ohne Zutun der Vereine. Was auch daran lag, dass man die Plätze sich selbst überließ. So etwas wie einen Platzwart gab es nur insofern, dass jemand die Eckfahnen aufstellte am Spieltag und mit dem Kreidewagen die Linien abfuhr.

Nachdem der Ascheplatz in Kohlfurth mehr und mehr von Rasen dominiert wurde, (ohne ihn je ganz in Beschlag zu nehmen), stellte RASSPE einen Mähtraktor zur Verfügung und stutzte die Wiese gelegentlich. Das bot sich an, war RASSPE doch nicht nur Namensgeber des 1909 gegründeten Arbeitervereins Rasspe Sport Verein (RSV) Kohlfurth, sondern auch einer der führenden Landwirtschaftsmaschinen-Hersteller seiner Zeit, die Fabrikhallen lagen um die Ecke. RASSPE hatte keinen guten Ruf. Rasspe bot viele Arbeitsplätze, zahlte aber schlecht.

Willst du schlechte Löhne, geh zu Rasspe und Söhne.

Der kleine dicke Mann berichtete, dass es 1950 zum 40jährigen Bestehen des RSV ein einwöchiges Fest-Turnier in Kohlfurth gab. Im Endspiel standen sich der SV Sudberg und der SSC 95/98 gegenüber. Es war Sonntagnachmittag. Bratwurststände und Trinkbuden waren aufgebaut, Hunderte von Zuschauern säumten den mit Blumengirlanden geschmückten Acker, genannt Platz. Und dann, so der kleine dicke Mann, muss es eine mordsmäßige Klopperei unter den Spielern gegeben haben, in deren Verlauf eine betagte Sudberger Anhängerin („Minimum Mitte sechzig!“) den Platz stürmte und rigoros mit ihrer Handtasche zuschlug, wobei dem Vorstopper des Gegners 95/98 das halbe Ohr abrasiert wurde. Sofort wurde das Endspiel abgebrochen. Polizei fuhr vor (im Peterwagen) sowie ein Krankentransport, es wurde ein halbes Ohr gesucht und ein Dutzend Platzverweise ausgesprochen. Nicht vom Schiedsrichter, nein, der hätte das Finale gern weiterspielen lassen, aber die Polizei nicht, die hatte was dagegen.

„Dat woaren noch staatse Konden auffem Platz fröüher, die hatten noch Schitte anne Füöte!“

(Das waren noch prächtige Jungs auf dem Platz früher, die hatten noch Scheiße unter den Schuhen = die konnten noch was ab.)

*

Der Solinger Musiker/Performer Georg Zangl singt in dem wunderschönen Erop eronger, und ich übersetze den Anfang mal gleich, „ich sitz in der Küche rum und prakesier.“ Nun bin ich mit Platt groß geworden, und bei „prakesieren“ sehe ich sofort meinen Vater vor mir, der mich bittet, einen Moment zu warten, Jung, „ich bin noch am prakesieren.“

Auf Hochdeutsch bedeutet prakesieren in etwa: nachdenken, überlegen, aber da ist mehr drin in prakesieren, eine stille Verzweiflung ist in diesem Wort. Ich sitze in der Küche und denke nach ist etwas ganz anderes als Ich sitz in der Küche rum und prakesier.

Das ist eine komplett andere Küche.

Hin-und her überlegen trifft es noch am ehesten. Ich sitze in der Küche und überlege hin und überlege her. Prakesieren ist immer eine langwierige Geschichte, eine echt bergische Meisterschaft. Man leuchtet eine Sache aus, man guckt sich noch die kleinste Schneise im Lichtschein an, damit es später nicht heißt, hättest du doch.. ein bisschen mehr..

PRAKESIERT!

Geplant war Ewigkeit (16, Schlussakt)

Papa ist tot

(Eintrag Notizbuch, 9.2. 2014 – 15 Uhr)

*

Sonntagnachmittag. Nach dem Essen leg ich mich hin und gucke Winter-Olympiade, aber ich bin nicht richtig bei der Sache und sacke dauernd weg. Die Gräfin hat sich auch hingelegt, in ihr eigenes Bett, um Ruhe zu finden. Bis ihr, es muss viertel vor drei gewesen sein, wie sie später erzählt, die Tränen kommen, ganz plötzlich. Sie führt es auf den Stress der letzten Tage zurück, auf all die Sorge und den fehlenden Schlaf, in Wahrheit stirbt in diesen Minuten mein Vater.

Organversagen.

Gegen halb vier steh ich auf, geh in die Küche, setz Teewasser auf. Da ich die Telefone leise gestellt hab, um beim Mittagsschlaf ungestört zu bleiben, werfe ich einen Blick auf das Display meines alten Motorolas. Ich sehe die Nummer meiner Schwester, der Anruf ist wenige Minuten alt. Im gleichen Moment höre ich das Läuten des Festnetztelefons – leise zwar, doch vernehmlich, wenn man auf den Sound geeicht und in der Nähe des Telefons ist.

2 Anrufe in Ihrer Abwesenheit.

Einer von meiner Schwester, der andere von der Station, auf der mein Vater liegt. Ich soll umgehend zurückrufen. Ich ahne, was los ist. Ich wähle die Nummer meiner Schwester.

Mein Schwager nimmt ab.

Du, das Klinikum hat vor.. zehn Minuten angerufen. Euer Vater ist gestorben.

Ich wusste es, sag ich nur.

Die Gräfin steht hinter mir. Papa ist tot, sag ich. Sie nickt.

Was meinst du? Kommt ihr alle zu uns?  fragt mein Schwager. Sollen wir uns alle hier sammeln?

Ja, machen wir.

Nachdem ich auflege, fallen Sanne und ich uns in den Arme. Es ist vollbracht.

„Er lacht die ganze Zeit, wenn ich an ihn denke“, schluchzt sie.

Wenn sie weint, ist sie die Sonne. Wenn sie weint, ist Friede.

Mein Bruder ruft an. Weisst du schon..? Ja, ich weiss schon. Zwischen elf und zwölf waren wir noch im Krankenhaus gewesen, zu zweit, um uns, ohne es zu wissen, von Vater zu verabschieden. Es war die gleiche Konstellation wie tags zuvor, doch wir waren uns nicht sicher, ob Vater uns noch wahrnahm.

Ob er überhaupt mitkriegte, dass wir im Zimmer waren.

Kaum angekommen im Klinikum hatten wir den diensthabenden Oberarzt auf dem Flur abgefangen. Er kam sofort mit auf Vaters Zimmer. Sah sich im Patientenblatt die letzten Laborwerte an, fühlte seine Beine, „ja, ist etwas weniger Wasser geworden.“ Auch die vermutete Lungenentzündung habe sich glücklicherweise nicht bestätigt. „Doch der Allgemeinzustand Ihres Vaters lässt eine Rückverlegung ins Heim nicht zu.“

Er sah uns an.

„Aus Erfahrung sage ich Ihnen, Ihr Vater ist nach zwei Stunden wieder im Krankenhaus.“

Überhaupt sei der arme Mann seiner Einschätzung nach der typische Patient, den die Altenheime übers Wochenende gerne ins Klinikum ausquartieren: dement und pflegeintensiv.

Vater hielt die meiste Zeit die Augen geschlossen, gab unartikulierte laute Geräusche von sich. Oder er nuschelte vor sich hin, dass ihn niemand verstand. An Füttern und miteinander Reden wie am Tag zuvor war nicht zu denken.

Einmal fiel Vater dem Oberarzt ins Wort und stöhnte wie ein verwundetes Tier, das sich ins Dickicht verzieht. „Papa, sei mal einen Moment still!“ meinte ich, und augenblicklich war Ruhe. Ich hatte kein gutes Gefühl, fand mich eine Spur zu brüsk, zu autoritär, und sofort tat es mir leid. Das hättest du dir früher nie erlaubt, dachte ich. Früher, als er noch bei Kräften war, hast du dich nie gegen ihn gestellt.

Toll, dass du dich jetzt traust.

Und dann war da noch dieser kurze, ja unvollständige Augenblick, von dem mein Bruder, wie ich später erfuhr, gar nichts mitbekommen hatte. Wir hatten uns von Vater auf ein halbes Stündchen verabschiedet, weil wir unten im Cafe etwas trinken wollten. Bis gleich, Papa, sagten wir, doch es kam keine Antwort. Danach kehrten wir auf einen Sprung zu Vater zurück, es sollte das letzte Mal sein, dass wir ihn sahen.

Wir standen um sein Bett herum, und ich sprach ein wenig mit ihm. Mein Bruder setzte sich an den Tisch, kontrollierte sein Smartphone auf Anrufe und SMS.

Vater bemühte sich, etwas zu sagen. Ich beugte mich zu ihm runter, um ihn besser zu verstehen. Wenn ich ihn nicht so gut gekannt hätte, sein Solinger Platt, seine Eigenheiten, ich hätte nicht ein Wort verstanden. Es bezog sich darauf, dass wir im Krankenhaus-Cafe gewesen waren, er hatte uns also doch verstanden. Dann hauchte er, „ja, ihr beiden.. ihr macht es euch schon schön..“ und lächelte schwach, wie aus der Ferne. Es war das letzte, was er uns mit auf den Weg gab. Der Tod griff schon nach ihm, brach seinen Blick, und durch den Schleier hindurch suchte er nach etwas Wohlwollen zum Abschied.

*

Als wir später am Abend beim Griechen waren, fiel mir Vaters Lieblingsgeschichte aus seiner Kindheit ein. Er hatte sie oft erzählt, wenn wir nachmittags auf dem Balkon saßen und heißen Kakao schlürften, und wenn die ersten Takte erklangen, wusste ich, was kommt, und hing an seinen Lippen. Es war nicht mal eine besondere Geschichte, aber er liebte es, sie zu erzählen.

In den 30er Jahren, er war ein kleiner Junge, fuhr er regelmäßig mit der Strassenbahn hinauf nach Cronenberg zu Tante Milly, die einen Lebensmittelladen führte. Die Linie 5 zwischen Solingen und Wuppertal galt als eine der landschaftlich reizvollsten Strassenbahnlinien Deutschlands. Die Zugmaschinen hatten die stärksten Motoren, um den steilen Anstieg nach Cronenberg zu bewältigen, die Fahrer, Meister ihres Fachs, mussten all ihre Fahrkunst aufbieten, wenn es auf dem Rückweg nach Solingen-Kohlfurth rasant bergab ging.

Es war Heiligabend, als der kleine Knirps, der mein Vater werden sollte, in Cronenberg die Strassenbahn bestieg, doch als er zahlen wollte, stellte er fest, dass sein Geld weg war – zwei Groschen, er hatte sie verloren. Es war die letzte Bahn, die an diesem Tag fuhr, und keine Zeit mehr, um zurück zu Tante Milly zu eilen und Geld zu holen. Mein Vater war der einzige Passagier an Bord. Nicht mal ein Schaffner hatte Dienst. Bloß der Fahrer und er waren anwesend.

Der Schnee wirbelte gegen die Scheiben.

“Du häss kin Jeld, Jung?“ sagte der Strassenbahnfahrer, (er trug eine Mütze wie ein Kapitän, erzählte Vater.) „Maht nix. Kannste Weihnachtslieder singen?”

Vater nickte.

“Dann singste ewen. Komm, ich hölp dir.”

Und so sangen die beiden Weihnachtslieder, während sie in der einbrechenden Dunkelheit Richtung Solingen rumpelten. Oh Tannenbaum, Stille Nacht, Heilige Nacht. Irgendwann ging ihnen der Text aus, sie wussten nicht weiter.

“Na, dann pfeifste eben noch wat, Jung.”

Als sie am verschneiten Stöckerberg in Solingen ankamen und der kleine Willi ausstieg, winkte ihm der Fahrer hinterher.

„Frohe Weihnachten, Jung! Und sing nit so schief, wenne gleich unterm Christbaum stehst!“

Das vergass Papa nie zu erwähnen.