40 Jahre Das Model

Natürlich war Da Da Da von Trio die schlaueste Nummer der Neuen Deutschen Welle, und sowohl Fred vom Jupiter  von Andreas Dorau als auch Wissenswertes über Erlangen von Foyer des Arts hatten ihre cleveren Momente. Natürlich waren Ideal und Spliff gute Bands, natürlich kam Falcos Kommissar mit einem Schmiss an der Backe daher, dass man sich beim Zuhören unweigerlich verfolgt fühlte und bei jedem Refrain umdrehte. (Und was ist mit dem fast vergessenen 1991er Nachzügler Mein Freund hat mit mir Schluss gemacht von den Lassie Singers, was machen wir damit?) Doch wirklich neu und umwerfend, ja revolutionär war Das Model von Kraftwerk.

Das Model war die Wachablösung. Das Model war die Antwort des aufziehenden Computerzeitalters auf den Untergang des Rock’n Roll, Das Model war ein Messer mit eleganter Klinge, und wenn man zustach, kam kein Blut, es kamen lauter Einser und Nullen, irgendwie ging das Licht an.

Jedes Mal, wenn der Song in den späten Siebzigern erklang, egal ob im Autoradio, in der Küche oder nachts um drei in der Disco, ging ein Fenster zum Universum auf, zum SPACE. Das Model war ein pechschwarzes Notenheft unterm Elektronenmikroskop, Das Model war ein Date mit einem unverschämt gut aussehenden Alien und die Roboter standen Spalier und weinten vor Freude, dass sie das noch miterleben durften, und sie warfen Rosen.

Das Model war 1978 an der Bar stehen, die in meiner Erinnerung jeden Abend so brechend voll war, dass wir dem Tresen in strammen 3er-Reihen auf den Pelz rückten, und wenn der Zapfer, der auch für die Musik zuständig war, Das Model auflegte, sank der Geräuschepegel für einen Moment, weil wir uns für die Zukunft wappneten, für den Sternenstaub, das kommende Licht.

Das Model.

Ein Song, der noch heute, 40 Jahre nach seiner Aufnahme, so frisch und elastisch daherschwingt wie die Hosenträger des guten alten Raumschiffs Düsseldorf.

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