Mein Blogger-Hürdenlauf

Zeilensturm hat zum Blogger-Hürdenlauf aufgerufen, eine schöne Idee – mal über Blogs schreiben, die man nicht kennt. (Wie’s geht, ganz unten.) Annika ist schon mal vorgelaufen, der fünfte und letzte von ihr kommentierte Blog ist der von Gaga Nielsen. Wo ich starte mit meinem Hürdenlauf.

Auf ihrer Blogroll hab ich erstmal Schwierigkeiten, vor lauter Kommerz überhaupt so etwas wie einen Blog zu finden. Einen Blogger immerhin gibt es,

→ 1. Kid 37

 

Auch wenn der mir nicht unbekannt ist. Im Gegenteil. Kid 37 ist zufälligerweise einer der ersten Blogger, die ich kennenlernte, als ich 2005 zu bloggen begann. Ich fand ihn zunächst etwas die Nase hoch, was sich legte, als ich ihn Jahre später WIRKLICH las und nicht nur meine Vorurteile bediente. Ein Mann mit Sprachgefühl und unaufdringlichem Witz. Zur Zeit arbeitet er seinen Trip nach New York auf, das sich seiner Meinung nach nun doch nicht so doll von Wuppertal unterscheidet. Lesenswert.

Von Kid 37 wollte ich schnell weiter zum ersten unbekannten Weblog, ging aber nicht. Kid 37 hat zwar eine recht ansehliche Blogroll, aber die üblichen Probleme: viele der empfohlenen Seiten sind längst unter der Erde. Weil ich aber nicht schon wieder eine bekannte Seite aufrufen möchte, brauche ich stattliche sieben Versuche, bis ich mit dem Wieselblog doch noch einen Treffer im Bereich MIR UNBEKANNT lande. Der Blog trägt den schönen Untertitel Da muss man sich wundern, dass nicht noch mehr passiert. Ein Heimwerkerblog? Von der Leiter gefallen mit der Fresse im Farbeimer-Slapstick? Keine Ahnung.

Das Wieseltier ist schon alt und wohnt in der Stadt, schreibt es selbst über sich. Ich gehe im Archiv ganz weit zurück bis zu seinem allerersten Eintrag vom November 2013, darin geht es ums Geld. In einer überaus klaren Sprache klärt uns das Wiesel darüber auf, dass es bis auf eine Ausnahme nie auf die Idee gekommen wäre, seine Eltern um Kohle anzuhauen. (Na, das wäre mal ein Thema für mich!) Diese eine Ausnahme war eine Reise nach New York vor vielen Jahren. Grüße dich, New Amsterdam. Gefällt mir. Was mir nicht gefällt: erst jetzt geht mir auf: Das Wieseltier hat gar keine Blogroll. Mist. Ich nehme mir vor, dass ich mich im weiteren Verlauf des Hürdenlaufs zunächst absichere, ob der anvisierte Kollege auch tatsächlich eine Blogroll führt, bevor ich mich näher mit ihm beschäftige. Oder ihr.

Zurück also zu Kid 37. Wir kommen nicht voneinander los. Jetzt werde ich sofort fündig in seiner Linksammlung. Ein mir unbekannter Blog namens MAD:

 

→ 2. Mumien, Analphabeten, Diebe

Jemand erzählt aus dem Leben, das haben Blogger so an sich, und in dem Eintrag 10 Jahre auf Sand nimmt MAD sich eines Themas an, das alle Blogger betrifft: Die Hoffnung, dass die Plattform nicht eines Tages absäuft, auf der man unterwegs ist. Interessant dabei: Als MAD sich im eigenen Archiv durch alte Beiträge klickt und feststellen muss, dass vor langer Zeit eingebettete Videos längst ausgebettet sind, bemüht er sich noch nachträglich um Restaurationsarbeiten. Das nenne ich mal Pflichtbewusstsein. Und er siezt seine Leser. Daran hab ich mich spätestens seit Herr MiM gewöhnt. Warum auch nicht. Draußen in der richtigen Welt duze ich auch nicht jeden Halunken. Von MAD’s Blogroll picke ich mir

 

→ 3. Die dunkle Seite

heraus. Zunächst mal: Ja! Er hat eine Blogroll, er hat ein Herz für Seinesgleichen. Gar nicht mal so unwichtig, wenn man den Blogger-Hürdenlauf mitmacht. Ansonsten scheint Mark 793 die Sorte Blogger zu sein, der ich wenig abgewinnen kann. Ich lese von Radtouren und sehe dauernd Bilder irgendwelcher Bikes vor mir, wobei nein, ich lese nicht, ich überfliege nur. Plötzlich bleibe ich stecken. Ich lese von Chemotherapie, ich lese von Krankheit. Ich lese plötzlich, warum die Seite im Untertitel Durchs Dunkel heißt. Ich lese Mark 793 und die Kammer des Schreckens.

Eine Kernspintomographie. Er steckt 20 Minuten lang in einer engen superlauten Medizinal-Röhre fest, unfähig auch nur den Kopf zu bewegen. Er überlässt es mehr der Phantasie des Lesers, die Tortur nachzuempfinden, als sie noch anzufachen durch hypergenaue Beschreibung. Gut gefällt mir sein letzter, sein abschließender Satz, wo er die Tasse Kaffee danach lobpreist: … konnte ich gottlob noch eine Tasse Kaffee organisieren – andernfalls wäre ich heute ein Fall für die Lokalnachrichten geworden, das kann ich Ihnen flüstern. 

Ich kann mir nicht helfen. Sobald jemand, und steckt er noch so sehr in der Scheiße, Humor zeigt, bin ich auf seiner Seite. Ich lese mich richtig fest. Bevor ich mich seiner Blogroll widme und die

 

→ Nr. 4 raussuche: Streifzug – Wo war ich stehengeblieben?

Ein Reiseblogger? Es geht los mit einer mehrteiligen Schottland-Tour, ich lande bei Tag 9: Die Flannan Isles. Auch hier steh ich mir zunächst selbst im Weg. Weil ich kaum Reise-Blogs lese, gebe ich auch diesem Reise-Blog keine Chance. Aber jetzt bin ich nun mal hier und zwinge mich zum Lesen. Und siehe: das ist gar nicht mal so schlecht. Zumal Giardino, Betreiber des Blogs, eine Schwäche für Vögel hat und auf dieser schottischen Insel voll auf seine Kosten kommt, es gibt Tausende Papageientaucher. Er präsentiert sie live in Bild und Video. Nachteil: Der Schreibstil ist für meinen Geschmack arg nüchtern. Aber wer Papageientaucher oder stinkende Basstölpel liebt und je auf einer Insel vor Schottland einkehren möchte..

Von seiner Blogroll zuletzt den

 

→ 5. Sprachlog

Ist für mich ein Reiseblog wie Streifzug schon exotisch, bin ich mit dem wissenschaftlichen Sprachlog sozusagen JWD, wie wir bei uns im Rheinland sagen, Janz Weit Draußen. Nicht vom Sujet her, das interessiert mich natürlich, Sprache. Aber eine eher theoretische Herangehensweise wird mir immer fremd bleiben. Ich bin ein Freund von knackig.

Geführt als gemeinsames Projekt dreier WissenschaflerInnen scheint mir Anatol Stefanowitsch auch heute noch federführend zu sein. Es gibt Audio-Mitschnitte von Vorträgen („Die Grenzen des Sagbaren“) oder Beiträge zu aktuellen Anlässen, wie etwa zum Anglizismus 2017: Influencer.

Muss man sich mit Kritik sonst stets ein bisschen zurückhalten, weil das Gros der Blogger nun mal hobbymäßig unterwegs ist, kann man hier mal richtig vom Leder ziehen. Kann man – muss man aber nicht. Der Beitrag jedenfalls ist interessant und zeigt Zusammenhänge, die mich aufmerken lassen. So geht der Mode-Begriff Influencer zurück aufs spätantike „influxus stellarum, eine unsichtbare Kraft, die von den Sternen aus in alle Körper hineinströmte und deren Schicksal bestimmte (wörtlich bedeutet es „das Hinfließen der Sterne“)..“

Das lässt sich gut lesen, das ist nicht verkopft, das macht neugierig, wie tief das Marketing-Deutsch in unsere Alltagssprache eindringt und zunehmend Begriffe wie den guten alten Meinungsmacher verdrängt. Und was mich betrifft: Wieder bin ich auf meine spontane Wahl reingefallen: Das Sprachlog hat nämlich keine Blogroll! Scheiße! Ich also zurück zum Streifzug, einen neuen Blog suchen.

 

→ 5a: Der Behindertenparkplatz

 

Der Behindertenparkplatz ist der Blog der Journalistin und Firmengründerin Christiane Link, die in London lebt und im Rollstuhl sitzt. Sie betrachtet das Leben in der britischen Hauptstadt mit den Augen einer Rollifahrerin, ihr Augenmerk liegt logischerweise auf Barrierefreiheit bzw. Barriereunfreiheit. In ihrem Beitrag Wer den Pfennig nicht ehrt… ist sie für ein paar Tage in Berlin und versucht bei der Bundesbank eine Tupperdose voller Kleingeld (100 Mark) umzutauschen in Euro. Nun ist der Publikumsbereich der Bundesbank alles andere als barrierefrei, und so schildert die Autorin die Bemühungen, an ihr Geld zu kommen, wobei sie ganz und gar angewiesen bleibt auf den guten Willen von zwei MitarbeiterInnen. Flockig geschrieben, aber ehrlich gesagt, da hätte man mehr draus machen können.

Soweit mein Hürdenlauf.

Als ich später mit dem Hund draußen bin und beim Wandern im lieblichen Tal meinen eben absolvierten Hürdenlauf noch mal Revue passieren lasse, erlebe ich eine Überraschung. Als ich mich frage, welcher der 5 Blogs (ja gut, es waren 7) mich am meisten berührt hat, taucht vor meinem geistigen Auge sofort der Blog mit den Pagageientauchern auf, Streifzug.

Gibbet gar nich, wa.

*

Wie es funktioniert?  Ich zitiere den Mann mit den Ideen, Zeilensturm:

„Dein Beitrag startet, wo dieser hier endet. Nimm dir die Blogroll/Blogliste des fünften kommentierten Blogs vor. Von dieser Liste klicke eines an. Das ist nun deine Station 1. (Aber nur, falls es selbst eine Blogroll hat, sonst ein anderes Blog der aktuellen Blogroll auswählen! Diese Bedingung gilt logischerweise immer.)

Lese im Blog 1 einen Beitrag, den du auch verlinkst, und schreibe nur drei Zeilen darüber: Lob, Kritik, Erstaunen, Fassungslosigkeit, Dank, whatever.

Nun klicke auf ein Blog der Blogroll von Station 1. Hat dieses seinerseits eine Blogroll? Sehr gut, dann ist es Station 2. Lese einen Beitrag … verlinke … schreibe drei Zeilen …
Und so noch drei Mal. Bis einschließlich Station 5. Deine Arbeit ist fast getan: fünf Reisenotizen zu fünf Blogbeiträgen. Nur noch diese Regeln hier anhängen – fertig!

Nun muss jemand anderes den Staffelstab (und vielleicht sogar mehrere) bei der Blogroll des letzten in deinem Beitrag kommentierten Blogs übernehmen – und fünf weitere kommentieren.

Vielen Dank für den gemeinsamen Streifzug durch die Meinungsvielfalt!“

Advertisements